Dienstag, 14. Juni 2016

Rezension: Andrew E. Kaufman „Der Löwe, das Lamm, der Gejagte“


Patrick Bannisters Kindheit ist alles andere als rosig. Von seiner alleinerziehenden Mutter bekommt er mehr Abneigung als Liebe zu spüren. Und natürlich gibt er sich zunächst selbst die Schuld daran. Kaum alt genug und mit klarerem Blick auf die Dinge, zieht Patrick von Zuhause aus und lässt die Vergangenheit hinter sich.

Nach Hause zurück kehrt er erst zu Mutters Beerdigung. Widerwillig. In ihren Hinterlassenschaften findet Patrick ein Medaillon und einen knappen, merkwürdigen Brief. Schnell keimt in ihm der Verdacht, dass sowohl seine Mutter als auch sein Onkel Warren etwas mit der Entführung und Ermordung des 3-jährigen Nathan Kingsley vor 30 Jahren zu tun hatten. Wenn das stimmt, ist das einfach unglaublich!


Als Journalist packt Patrick die Neugier. Er beginnt in der Vergangenheit zu wühlen, um seinen Verdacht mit Wahrheiten zu füllen. Dabei scheint er in einem Wespennest zu stochern, denn der Informationsjäger wird plötzlich selbst zum Gejagten. Andrew E. Kaufmans Roman „Der Löwe, das Lamm, der Gejagte“ ist ein gelungener Thriller, der von Beginn an zu fesseln weiß. Der originelle Titel entfachte Neugier, den Kauf habe ich nicht bereut.

Sehr klar zeichnet der Autor seine Figuren: den Journalisten Patrick, der mit den seelischen Spuren einer harten Kindheit zu kämpfen hat. Seine Mutter, deren Bürde, als die sie die Erziehung ihres Sohnes sieht, förmlich spürbar ist. Bei jeder der kleinen Rückblendungen ein Stückchen mehr. Und Onkel Warren, der einflussreiche Mann, irgendwie der nette Onkel, aber irgendwie auch so schemenhaft, im Dunkeln bleibend, nicht greifbar. Allesamt passen sie in diese Geschichte.

Auf der Spurensuche in der Vergangenheit des Protagonisten lernt der Leser schnell, dass ein gesundes Misstrauen in dieser Geschichte eine wichtige Eigenschaft ist. Sowohl für den Helden, wie auch für den Leser. Im Heimatort des Jungen Nathan Kingsley angekommen, sucht Patrick Bannister natürlich zunächst Unterstützung bei Seinesgleichen und findet sie bei Reporterin CJ Norris. Ihre Warnung, verdammt vorsichtig zu recherchieren, nimmt sehr schnell reale Formen an.

Der Protagonist des Romans beweist Mut, bleibt dabei aber authentisch. Er ist nur eine Spur waghalsig, gerade genug, um in der Story weiter zu kommen und dennoch glaubhaft zu bleiben. Insgesamt bedient sich Andrew E. Kaufman glücklicherweise kaum Klischees, um seine Figuren und Handlungen zu gestalten, sondern liefert echte Personen, echte Bilder. Die Geschichte an sich wirkt recht vielschichtig, z. B. wenn Kaufman zwischen Patricks Kindheit und der Gegenwart springt, um den inneren Antrieb dieses Mannes klar zu machen.

„Der Löwe, das Lamm, der Gejagte“ ist ein tiefgründiges Werk, vielleicht auch weil die Geschichte so real wirkt. Es ist keine an den Haare herbei gezogene Idee. Und dieser Thriller ist tatsächlich ein Thriller – gruselig, grauenvoll, spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Manchmal entwickelt sich der emotionale Part der Geschichte zwar ein bisschen in die Richtung „überschäumender Hollywood-Streifen“, jedoch selten genug, um es lediglich mit einem amüsierten Lächeln zu quittieren. Insgesamt ist der Roman absolut lesenswert!

Andrew E. Kaufman
„Der Löwe, das Lamm, der Gejagte“
Kindle Edition, AmazonCrossing
ASIN: B0155J4D3K
Webseite des Autors (www.andrewekaufman.com)

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