Dienstag, 22. März 2016

Rezension: E. L. Greiff "Zwölf Wasser - In die Abgründe"


Es wird ungemütlich im 2. Teil der Trilogie „Zwölf Wasser“ von E. L. Greiff. „In die Abgründe“ heißt der Untertitel - und in diese geht es in rasanter Talfahrt tief hinein. In die Abgründe menschlichen Seins, menschlichen Verhaltens, menschlichen Denkens.

Das drohende Unheil, welches im ersten Band langsam in den Fokus rückte, nimmt jetzt Gestalt an und ist allgegenwärtig. Die Helden gehen bereits getrennte Wege und in diesem Teil widmet die Autorin jedem Einzelnen mehr Aufmerksamkeit. So begleitet der Leser abwechselnd Marken und Smirn, Kersted, Nendsing und Utate, Felt, Babu und Reva. Die drei welsischen Soldaten und die drei Undae sind durch ihre Aufgabe, ihr Schicksal eng miteinander verbunden. Versiegen die zwölf Quellen, dann verschwindet die Menschlichkeit. Dies gilt es zu verhindern.


Ihre Wege zu den Quellen führen die Helden in die unterschiedlichen Regionen der Welt. Dabei begegnen ihnen immer größere Gefahren: Die Erde bebt, Erdspalten tun sich auf, Vulkane erwachen zu neuem Leben. Ein Krieg kündigt sich an. Doch auch die Zurückgelassenen – wie Felts Frau und Kinder – können sich nicht in Sicherheit wiegen. Immer mehr stoßen die Helden an ihre Grenzen und bald scheint es, dass sie ihre Aufgabe nicht erfüllen können. Jede Quelle, die versiegt, macht es schwieriger, voran zu kommen. Die Lage spitzt sich zu. Verluste können kaum noch bewältigt werden, Kräfte lassen nach, Verzweiflung wächst – und dennoch ist da Hoffnung.

Im zweiten Teil der Trilogie verdichtet sich die Geschichte mehr und mehr. Hintergrundinformationen aus der Vergangenheit der Welsen machen klarer, worum es eigentlich geht und helfen dabei, einiges über die einzelnen Völker dieser Fantasy-Welt zu lernen. Rückblenden machen die Gegenwart der Geschichte rund und beantworten Fragen, die man sich im ersten Teil stellte. Zudem lernt man die Protagonisten immer besser kennen.

„Zwölf Wasser“ ist eine mitreißende Geschichte, die immer wieder Parallelen zu unserer Realität aufblitzen lässt und dennoch in einer reinen Fantasy-Welt spielt. Die Protagonisten erscheinen authentisch, facettenreich, ihr Denken und Handeln nachvollziehbar. Der Weg durch die Welt und die Geschichte wirkt logisch, konsequent, dennoch nicht vorhersehbar. Greiffs Schreibstil ist flüssig, bildreich und klar. Sie schafft es, ihre Leser mitzunehmen, ihnen das Gefühl zu geben, live dabei zu sein. Und an elementaren Stellen reichen die ungeschriebenen Worte zwischen den Zeilen, um sich ganz und gar von der Geschichte gefangen nehmen zu lassen.

Mit Band 2 ist der Bogen nun zum Zerreißen gespannt, so dass ich im dritten Teil den absoluten Showdown erwarte.

E. L. Greiff
"Zwölf Wasser"
Band 2 "In die Abgründe"
dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-423-24966-9

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