Dienstag, 9. Februar 2016

Mein Dilemma mit den Mehrteilern …


oder wo kann ich mehr Zeit fürs Lesen kaufen?


Aktuell lese ich eine Trilogie. „12 Wasser“ von E. L. Greiff ist eine spannende Geschichte, die mich unglaublich begeistert. Es ist wieder mal ein Buch – oder besser gesagt drei, die mich voll und ganz gefangen nehmen. Gierig sauge ich jedes Wort auf und lasse meinem Kopfkino freien Lauf. Alles wunderbar.

Und dennoch brachte mich diese Form der Veröffentlichung – nämlich die Trilogie – zum Sinnieren: über Freud und Leid mehrteiliger Romane. Ein Dilemma der etwas anderen Art oder auch Jammern auf hohem Niveau.


Stöbere ich so in On- und Offline-Buchhandlungen, habe ich oft den Eindruck, von Mehrteilern geradezu überschwemmt zu werden. Trilogien haben dabei eindeutig die Nase vorn, dicht gefolgt von Romanen mit vier oder mehr Teilen. Hauptsächlich finde ich Romanserien im Bereich Fantasy – vielleicht, weil ich dieses Genre so liebe oder weil es mir in anderen Genres noch nicht so aufgefallen ist. Fest steht für mich, dass im Fantasy-Bereich der Hang zu vielen Buchseiten sehr natürlich ist, weil hier fantastische Welten entstehen, oft viele Figuren verschiedenster Art auftauchen und teils epische Geschichten erzählt werden. Die passen nun einmal nicht immer auf 300 Seiten.

Oft habe ich mich gefragt, ob Tolkien da vielleicht einen Grundstein gelegt haben könnte, obwohl er mit dem „Hobbit“ gezeigt hat, dass man eine Fantasy-Geschichte auch in einem Buch unterbringen kann. Sieht man den „Hobbit“ allerdings als Vorgeschichte des „Herrn der Ringe“ oder umgekehrt diesen als Weiterführung des „Hobbit“, so geht diese Rechnung schon nicht mehr auf.


J. K. Rowling hat dann später mit „Harry Potter“ gezeigt, dass man den Kampf zwischen Gut und Böse über sieben Bände strecken und dabei eine Menge spannender Dinge erzählen kann. Bei Tolkien und Rowling hatte ich nach Ende des jeweiligen Gesamtwerkes richtig Wehmut, fragte mich, warum es denn nun endgültig vorbei ist, warum nicht noch ein Teil folgt. Damals hatte ich ein anderes Leseverhalten – ich konnte mir mehr Zeit und Ruhe nehmen und hatte nicht so viele ungelesene Bücher in der Pipeline.

Mittlerweile hat sich mein Lesen verändert. Mein Job ist kraftraubend, Lesen geht nicht immer wann ich will, denn oft bin ich dafür einfach zu müde. Und ich habe jetzt mehr Verpflichtungen als früher – und auch mehr andere Interessen. Was immer geht, ist Bücher kaufen. Trotz einer schmerzhaften Ausmist-Aktion vor ein paar Jahren, füllen sich die Regale wieder beständig, denn ich entdecke eine Menge interessanten Lesestoff.

Daher denke ich manchmal, lass dich weniger auf Mehrteiler ein, deine Lesezeit ist kostbar und dein SuB groß. Und dann wandert beim Schmökern der Blick aus dem aktuellen Buch schnell mal ins Bücherregal. Wehmütig werden die nächsten Titel zum Lesen herausgesucht und gedanklich in die Warteliste gestellt. Doch dann klebe ich wieder voll begeistert in der aktuellen Geschichte und denke an gar nichts mehr.

Die meisten Mehrteiler entdecke ich meist dann, wenn bereits alle Bände veröffentlicht sind. Dann ist der Sog besonders groß, direkt alle Teile an einem Stück zu lesen. Allerdings habe ich auch Werke im Regal, deren Fortsetzung etwas länger dauert. Bestes Beispiel ist Patrick Rothfuss' „Königsmörder-Chronik“. Zwar erinnere ich mich noch recht genau daran, was Kwothe bisher erlebt hat, die letzten Kapitel kriege ich aber nicht mehr zusammen. Ähnlich Farina de Waard. Ihr „Vermächtnis der Wölfe“ hat mich so in den Bann gezogen, dass ich dem dritten Teil entgegenfiebere – der aber zum Glück nicht so lange auf sich warten lässt, wie Tag 3 der „Königsmörderchronik“.

„A Game of Thrones“ von George R. R. Martin dagegen schiebe ich vor mir her. Alle fünf Bände stehen in englischer Sprache im hübschen Schuber in meinem Regal. In den ersten Teil habe ich schon rein gelesen, legte ihn dann aber erst einmal wieder weg. „A Game of Thrones“ ist nun mal ein mächtig gewaltiges episches Werk. Und da ich in englisch langsamer lese, weiß ich, was da auf mich zukommt. Wann auch immer der sechste Band erscheinen wird, ist mir im Moment nicht wichtig.

Doch warum eigentlich Dilemma? Ich stecke gerade in wunderbaren, fantastischen Welten; und dennoch drehe ich mich manchmal wie wild. Wahrscheinlich erlebe ich das, was viele begeisterte Leser irgendwann erleben. Das Gefühl, das für ein Leben viel zu viel guter Lesestoff auf dem Markt ist. Wirklich viel zu viel. Vor allem, wenn man so ein vielseitig interessierter Leser ist, wie ich, und nicht davon lassen kann. Es ist in etwa so, als stünde man in einem Süßigkeitengeschäft und dürfte in zehn Minuten so viel futtern, wie man möchte. Man beginnt erst zaghaft zu knabbern und dann kriegt man einen Fressrausch, weil die Uhr tickt und die vielen verschiedenen, bunten Leckereien einen gefangen genommen haben. Bücherfressrausch. Ja, so könnte man das nennen. Und Mehrteiler beanspruchen so viel Zeit, sind aber doch so wunderbar.

Das Schlimme ist, es gäbe einen Ausweg. Einfach so lange keine Bücher mehr kaufen, bis ich alle gelesen habe, die in meinem Regal stehen. Brwahaha! Mal ehrlich. Keine Bücher mehr kaufen? Da könnte man genauso gut sagen: Atme nicht mehr.

Und so werde ich einfach weiter machen, wie bisher. Ein Leseholiker, der an der Buchstabennadel hängt. Ich werde mehrteilige Romane lieben und hassen zugleich, ungeduldig auf Fortsetzungen warten und die Zwischenzeit mit „anderen“ Werken voll stopfen, Bücher kaufen, mich weiter drehen und ab und an ein wenig jammern. Vielseitigkeit kann schon manchmal ein Fluch sein. :-)

Welche Mehrteiler habe ich bisher gelesen (teilweise oder komplett):


J. R. R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ (alle, deutsch)
C. S. Lewis „Die Chroniken von Narnia“ (Band 1 und 2, englisch)
J. K. Rowling „Harry Potter“ (alle, englisch)
Catherine Banner „Malonia“-Reihe (Band 1, deutsch)
Carloś Ruiz Zafon „Friedhof der vergessenen Bücher“ (Band 1 und 2, deutsch)
Tanja Bern „Die Sídhe des Kristalls“ (alle)
Tanja Bern "Distant Shore" (Band 1, Band 2 und 3 noch nicht erschienen)
Nadja Losbohm „Die Jägerin“ (alle)
Cornelia Funke „Tintenherz“ (Band 1, englisch)
Eva Völler „Zeitenzauber“ (Band 1)
Douglas Adams „Anhalter“-Serie (Band 1 als Film, Band 2 als Buch, deutsch)
Patrick Rothfuss „Königsmörder-Chronik“ (Band 1 und 2, deutsch; Band 3 noch nicht erschienen)
Farina de Waard „Das Vermächtnis der Wölfe“ (Band 1 und 2; Band 3 noch nicht erschienen)
George R. R. Martin „A Game of Thrones“ (Band 1 begonnen, englisch)
E. L. Greiff „Zwölf Wasser“ (Band 1, Band 2 aktuell, Band 3 steht im Regal)

Zu einzelnen Büchern findet ihr Rezensionen auf meinem Blog: Rezensionsübersicht

Interessante Links zum Thema:


Reihenfolgen von Bücherserien auf http://www.buechertreff.de/buchreihen/
Mehrteiler in der wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrteiler
 

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