Sonntag, 31. Januar 2016

Rezension: E. L. Greiff "Zwölf Wasser - Zu den Anfängen"


„Zwölf Wasser“ ist ein gelungenes Romandebüt der Autorin E. L. Greiff. Band 1 der Trilogie ist untertitelt mit „Zu den Anfängen“ und Auftakt einer richtig spannenden Geschichte.

Das erste Buch ist in fünf Teile untergliedert. Der recht umfangreiche erste Teil stand als Leseprobe zum Download bereit. Erzählt wird die Geschichte von Babu, Hirte der Merzer, den der Verrat in die Fremde treibt. Angetrieben von Rachsucht nimmt der junge Mann eine beschwerliche Reise auf sich. Es war bislang die längste Leseprobe, die ich zu irgendeinem Werk gelesen habe. Für mich kann ich sagen, dass dieses Konzept aufgegangen ist. Schnell war ich mittendrin in der Geschichte, war gefangen von den Erlebnissen des Hirten. Nachdem Babu seine Heimat verließ und während seiner Wanderung in Schwierigkeiten geriet, wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter ging – und kaufte den ersten Band.


Im zweiten Teil lenkte Greiff die Aufmerksamkeit des Lesers allerdings erst einmal in einen anderen Teil ihrer Fantasy-Welt. Goradt, Stadt am Rande des Berst – ein Abgrund unermesslichen Ausmaßes, in dem „Welten geboren werden“. Goradt ist die Heimat der letzten Welsen, die seit der großen Feuerschlacht noch übrig geblieben sind. Man lernt den Offizier Felt kennen, seine Kameraden Marken und Kersted. Aber auch die Undae, hohe Frauen, die dem Wasser verbunden sind. Sie haben eine erschreckende Nachricht für die Menschen: Die zwölf Quellen versiegen, die Menschlichkeit steht auf dem Spiel.

Die zwölf Quellen haben quasi die zwölf Tugenden oder auch guten Charakterzüge der Menschlichkeit verinnerlicht. Drei der Undae – Reva, Smirn und Utate – machen sich in Begleitung der Welsen auf den Weg zu den Quellen, um die Katastrophe zu verhindern. Eine abenteuerliche Reise beginnt.

„Zwölf Wasser – Zu den Anfängen“ ist wahrlich ein fesselnder Einstieg in eine Geschichte, die einen von Beginn an nicht mehr los lässt. Die Protagonisten, denen im ersten Band besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, sind sehr real, greifbar, facettenreich. Sie wirken echt in ihrem Denken und Handeln und machen bereits in der zweiten Hälfte des Buches eine enorme Entwicklung durch. E. L. Greiff bringt ihre Helden an deren Grenzen und darüber hinaus, zeigt ihnen und dem Leser, wie man über sich hinaus wächst. Sie konfrontiert aber auch mit dem Unausweichlichem, schonungslos, echt.

Felt ist ein sehr pflichtbewusster Offizier, der bereits sehr früh im Verlauf der Reise in seine eigenen Abgründe blicken kann. Ein Mann, der schnell lernt, dass Pflichtbewusstsein Opfer fordert, der Entscheidungen treffen muss und diese Entscheidungen treffen kann.

Babu dagegen ist anfangs ein gutgläubiger Hirte, der durch einen Verrat bitter lernt, dass die Welt nicht immer so friedlich ist, wie sie scheint. Dass es da mehr gibt, als nur seine Herde, die Wiesen und den Himmel. Auf ihn wartet zudem eine Aufgabe, die auch ihm alles abverlangt.

Die Undae erinnerten mich anfangs an Avatar Aang. Keine Haare, Markierungen auf der Haut. Doch die Undae sind nur mit einem Element verbunden. Sie kämpfen nicht, sondern sind eher stille Botschafterinnen aus einer alten Zeit.

Die Idee der Quellen, mit denen die Menschlichkeit verbunden ist, fand ich sehr gut. Schnell stellt man sich beim Lesen die Frage, wie man eigentlich selbst „Menschlichkeit“ definiert und wie andere „Menschlichkeit“ definieren. Das Buch liefert keine Antworten in dem Sinne, sondern bietet Denkanstöße, vielleicht sogar den Aufruf, sich umzusehen und nachzudenken. Wo stehen wir gerade? Wie viele Quellen sind in unserer Welt versiegt? Oder sprudeln sie noch munter weiter?

Für mich schwingt da nicht zu viel Gesellschaftskritik, dafür mehr ein Anstoß zur Selbstreflexion mit – alles verpackt in einer wunderschönen High-Fantasy-Geschichte, die weder belehrt noch polemisiert, sondern einfach nur mit kleinen Nadeln piekst und dabei unglaublich spannend und bildhaft ist.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Sie ist in Details verliebt an den Stellen, wo es sinnvoll und notwendig erscheint, um dem Ganzen das Kopfkino zu geben, das es braucht. Dennoch erzählt E. L. Greiff ihre Geschichte in einem angenehmen Tempo, baut Spannung auf, fesselt ihre Leser. Die Welt, die sie kreiert hat, kann man sich sehr gut anhand der Beschreibungen vorstellen. Die im Buch beigefügte Karte unterstützt bei der Orientierung, wo sich welche Orte befinden und wie groß diverse Entfernungen sind.

Der erste Band endet nicht mit einem großen Cliffhanger. Den braucht es aber auch nicht, da der Kern der Geschichte spannend genug ist, um unbedingt weiter lesen zu wollen. Zum zweiten Band kann ich schon so viel verraten: „Etwas geht vor ...“ - es geht extrem spannend und aufwühlend weiter.

E. L. Greiff
"Zwölf Wasser"
Band 1 "Zu den Anfängen"
dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-423-21514-5 


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