Samstag, 12. Dezember 2015

Rezension: Phillip P. Peterson "Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit"



"Paradox" ist ein Science-Fiction Roman, der es schaffen kann, den Leser aufgewühlt und verstört zurückzulassen. Durch extreme Realitätsnähe ist er fast schon ein wenig gruselig, weil man die Vorstellung, vielleicht gerade einen kleinen Blick auf unsere Zukunft erhascht zu haben, kaum loswerden kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Protagonisten, die verschiedener nicht sein können. Auf der einen Seite der erfahrene Astronaut Ed Walker, der in einer spektakulären und selbstlosen Aktion seine Crew aus den Trümmern der Internationalen Raumstation ISS rettet. Ein Haudegen, der sich nicht scheut, jedem knallhart seine Meinung ins Gesicht zu schleudern. Ein Mann, dem sein Beruf Berufung ist und der dafür einiges aufs Spiel setzt. Auf der anderen Seite der junge Wissenschaftler David Holmes, der die Chance seines Lebens erhält, fast daran zu zerbrechen droht, aber eine enorme Entwicklung durchläuft. Doch am Ende sind es vier Menschen, die sich auf eine gefährliche Missions ins All begeben, um am Rand unseres Sonnensystems das Verschwinden dreier Raumsonden zu untersuchen. Ingenieurin Grace und Biologin Wendy sind mit von der Partie, kommen aber erst ein wenig später zum Zug.
Phillip P. Petersons Schreibstil wirkt ausgefeilt und lässt sich angenehm lesen. Dialoge und Beschreibungen sind gut ausgewogen. Von Kapitel zu Kapitel verändert er hin und wieder den Fokus, widmet sich mal Ed, mal David und schafft so wirkungsvolle Perspektivwechsel auf die gesamte Geschichte. Die Story ist gut ausgedacht, die Ideen dahinter interessant und spannend verpackt. Im Roman wird schnell deutlich, dass Peterson sich mit der Raumfahrt sehr gut auskennt. Die Seiten sind voll gepackt mit Fachbegriffen und detaillierten Beschreibungen, die sich gut in den Fluss der Geschichte einpassen. Dennoch hatte ich zwischendurch das Bedürfnis, größere Lesepausen einzulegen, weil mir Technik und Detailverliebtheit ab und an eine Prise zu viel waren. Zu Beginn lässt sich der Autor Zeit, in Ruhe seine Protagonisten zu entwickeln. Erst spät lässt er durchblicken, worum es eigentlich geht. Bei mir wuchs zudem ab Ende des ersten Viertel die Ungeduld. Wann steigen die vier Menschen endlich in das Raumschiff und begeben sich auf ihre Mission?

Wie der Autor in seinem Epilog selbst anmerkt, ist die Idee der Geschichte nicht neu. Die Umsetzung hat es aber in sich. Obwohl die Geschichte in der Zukunft spielt, wirkt alles so real und echt, als würde diese Zukunft bereits morgen beginnen. Durch sein Wissen, dass Peterson in den Roman einfließen lässt, wirkt das Ganze noch glaubhafter, authentischer. In mehreren Dialogen liefert der Autor Sidekicks auf aktuelle politische und gesellschaftliche Probleme, die sich in der Gegenwart seiner Geschichte noch verschärft haben. Dabei geht er jedoch nicht penetrant vor, sondern wählt seine Worte mit Bedacht und mit einschlagender Wirkung.

"Paradox" ist definitiv kein Roman, den man mal eben schnell runterliest. Es ist ein Buch, das fesselt und jede Menge Wissen transportiert. Der Schluss wühlt auf, klingt lange nach und bringt einen massiv zum Grübeln. Mit dem Buch hat der Autor Phillip P. Peterson den Amazon Selfpublishing-Preis 2015 gewonnen - zu Recht, wie ich finde.

Phillip P. Peterson
"Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit"
Kindle E-Book
ASIN: B011C6SRV4
Webseite des Autors: http://raumvektor.de/

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