Mittwoch, 9. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 9


„Lieber Morrissey, ich fühl mich total down und deprimiert.“ Willy Russell „Der Fliegenfänger“



Erster Satz: 

Oh Morrissey!

Zum Buch/Autor allgemein: 

Dieses Buch fiel mir in meiner Morrissey-Phase in die Hände. Schon allein die Erwähnung seines Namens im ersten Satz fällte meine Kaufentscheidung. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe, denn die Geschichte des Jungen, die in dem Roman erzählt wird, ist eindrucksvoll.

Es sind eigentlich nur Briefe, lange Briefe, Briefe an Morrissey zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Doch eigentlich sind es nicht einfach nur Briefe. Das Ganze ist eine Geschichte, die unter die Haut geht, die einem aus der Haut fahren lässt, die Tränen und Lächeln gleichermaßen hervorruft. Eine unglaublich Geschichte, die sich so wahr anfühlt, dass man hinaus schreien möchte: Warum, warum nur hat denn niemand zugehört? Wieso hat diesem Jungen niemand ins Herz gesehen? Sind wir Menschen manchmal so oberflächlich, so fest in unseren Strukturen verwachsen, dass wir nicht merken, wenn wir ein Lebewesen falsch beurteilen? Verurteilen?
Raymond Marks ist elf, als sein Leben aus den Fugen gerät. Er erfindet das Fliegenfangen, das ich hier nicht wirklich näher beschreiben will. Doch Jungs in dem Alter sind einfach so und es ist völlig natürlich, völlig normal. Doch wenn Erwachsene aus harmlosen Situationen ein menschenverachtendes Drama machen, dann kann die kleine heile Welt eines Elfjährigen gefährlich ins Schwanken geraten. Ray fliegt von der Schule und jeder hält ihn für einen Idioten, der sich selbst umbringen will. Ein Verrückter, dem man sofort zutraut, dass er sich an kleinen Mädchen vergreift. Ein Subjekt, das weggeschlossen gehört. Verachtet. Gehasst. Ausradiert.
Jahre später, als 19-Jähriger, schreibt Raymond seine Geschichte nieder. Er, der größte Morrissey-Fan aller Zeiten, ist auf dem Weg nach Grimsby, weil er dort auf dem Bau arbeiten und erwachsen werden soll. Er schreibt in sein Songbook. Briefe. Briefe an sein Idol Morrissey.

ISBN: 3-453-86428-X
Heyne Verlag
Übersetzer: Sabine Hübner

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