Dienstag, 15. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 15


„Eine adrette alte Frau in heiterer ländlicher Umgebung, welch hübscher Anblick!“ Arto Paasilinna „Die Giftköchin“



Erster Satz: 

Wie spitzzüngig. Dieser Satz verheißt beißend lustigen Lesespaß. Keine Ahnung, wie das auf jemanden wirkt, der Paasilinna noch nicht kennt.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Arto Paasilinna ist und bleibt mein Geheimtipp. Nachdem ich schon in „Der Sommer der lachenden Kühe“ von seinem subtilen Humor eingefangen wurde, traf sein Roman „Die Giftköchin“ erneut ins Schwarze. Herzerfrischende Komik, ausgeklügelte Story, der Finne weiß seine Leser zu vergnügen.
Es ist die Geschichte der Offizierswitwe Linnea Ravaska, die eigentlich ein beschauliches Leben in ihrem kleinen Häuschen auf dem Lande führen könnte, wären da nicht ihr gewalttätiger und dreister Neffe Kake Nyyssönen und seine beiden Saufkumpane. Der 30-Jährige Finne hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, allmonatlich die alte Dame zu schröpfen und ihr ihre magere Rente abzunehmen. Er war der Meinung, dass ihm das sehr wohl zustand, denn er war schließlich jung und brauchte das Geld. Und er war der Pflegesohn Linneas und um die Verwandtschaft hatte man sich eben aufopfernd zu kümmern.

Doch die monatlichen Besuche der Männer bei der alten Witwe standen nicht nur im Zeichen der Geldeintreiberei. Die Drei nutzten den Ausflug, um mal aus der Großstadt Helsinki herauszukommen und auf dem Land so richtig zu feiern. Und feiern hieß bei der Bande, eine möglichst große Sauerei zu hinterlassen – in Linneas Sauna, auf ihrem Hof und in ihrem Haus. Wenn es sein musste, schreckten die skrupellosen Kerle vor Schlägereien und Diebstahl nicht zurück, kein Wunder, dass die alte Dame sich vor diesen monatlichen „Zahltagen“ fürchtete. Die letzte Begegnung wurde allen Beteiligten zum Verhängnis und Paasilinna entwickelte daraus eine herrlich chaotisch wirkende, aber gut strukturierte Geschichte.

ISBN: 3-404-92054-6
BLT Verlag, deutsche Ausgabe Verlagsgruppe LÜBBE
Übersetzer: Regine Pirschel

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