Donnerstag, 15. Oktober 2015

Rezension: Norma Feye "Ghetto 7"


Es ist ein gruseliger Blick in die Zukunft. Nach einer Umweltkatastrophe muss die Ordnung wieder hergestellt werden. Die Regierung ruft den Notstand aus, schafft Pressefreiheit ab und schottet das Land gegen andere Länder ab. Im Freien kann man sich nur noch mit Atemmasken aufhalten und lediglich die Reichen genießen in ihren Luxusbehausungen frische Luft. In ihrer Dystopie „Ghetto 7“ kreiert Autorin Norma Feye eine unwirtliche Welt, in der man besser nicht leben will.

Samantha „Sam“ Haddon ist Polizistin mit Leib und Seele. Getrieben von der Erinnerung an eine familiäre Tragödie in ihrer Jugend geht sie kompromisslos gegen jeden vor, der eine Gefahr für Sicherheit, Gesetz und Staat sein könnte. Als ein Regierungsagent mit einem Sonderauftrag an sie herantritt, zögert sie nicht, diesen anzunehmen. Sie wird in ein Hochsicherheits-Gefängnis, das Ghetto 7, eingeschleust, um dort den vermeintlichen Rädelsführer einer drohenden Gefängnisrevolte auszuschalten. Doch bald schon stellt sich heraus, dass ihr Auftraggeber nicht ehrlich zu ihr war, und die Dinge innerhalb des Gefängnisses völlig anders liegen. Und Sam muss sich entscheiden, ob sie ihren Auftrag wirklich ausführt oder ihrem Gewissen folgt.“ (Kurzbeschreibung des Buches auf amazon)

Der Einstieg in die Geschichte war für mich zunächst mühsam. Auf der einen Seite versuchte ich, die Welt, in der die Figuren spielen, zu erfassen. Die Stadt wirkte ein wenig konstruiert und die Beschreibung der Situation erzeugte zu wenige Bilder in meinem Kopf. Auf der anderen Seite wollte ich die Protagonistin kennenlernen. Beides gelang zu Beginn nur langsam. Doch sobald Sam ihren Auftrag begann und im Ghetto ankam, nahm die Geschichte Gestalt an. Plötzlich war die Welt, die die Autorin erschaffen hatte, vor meinem inneren Auge sichtbar.

Norma Feye entwickelte mit Sam vielschichtige Protagonistin. Zu Beginn erlebt man eine sehr systemtreue Frau, die ihren Job ernst nimmt und nie Fragen stellt. Sie hat Power und Mut, obwohl sie einen schweren Verlust erlitten hatte und der Schmerz sie immer wieder einzuholen droht.

Nicht verwunderlich ist, dass sich die Polizistin in der schwierigen Welt des Ghettos gleich von Beginn an gut behaupten kann. Allerdings machte die Autorin es ihrer Protagonistin dabei nicht zu leicht, was für viel Spannung sorgte. Norma Feye zeichnete ihre Figuren recht lebendig, machte sie greifbar. Die Entwicklung, die Sam durchläuft, ist nachvollziehbar und authentisch und die Personen, die ihr im Verlauf der Geschichte an die Seite gestellt werden, haben mit dem, was sie tun und wer sie sind, einen perfekten Platz in der Welt von „Ghetto 7“ gefunden.

Obwohl sich im letzten Drittel des Buches das Gefühl einschleicht, dass man erahnt, wie die Geschichte ausgeht, schaffte es Norma Feye zum Schluss noch einmal zu überraschen. Insgesamt ist „Ghetto 7“ eine spannende Dystopie, die Spaß macht.


„Ghetto 7“

Taschenbuch: ISBN 978-3-95815-013-3
Ebook: ISBN 978-3-95815-012-6
Cover: Klaud Design
Oldigor Verlag 2014

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