Mittwoch, 7. Oktober 2015

Rezension: Jojo Moyes „Weit weg und ganz nah“


Bisher bin ich an den Büchern von Jojo Moyes immer vorbei gegangen. Liebesschnulzen, dachte ich mir, nix für mich. Doch dann habe ich „Weit weg und ganz nah“ gekauft. Eigentlich sollte es ein Geschenk für Schwiegermama werden, doch dieses Geschenk hat irgendwie nicht seinen Weg gefunden. Letzte Woche habe ich mir das Buch geschnappt und angefangen zu lesen. Auch wenn ich jetzt nicht sofort ein weiteres Buch von Jojo Moyes lesen mag, muss ich zugeben: Die Autorin versteht ihr Handwerk. Sie hat eine Liebesgeschichte entwickelt, die funktioniert.

Die Geschichte an sich ist eigentlich einfach und kitschig. Mittellose alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern schlägt sich durchs Leben, trifft den beinah perfekten Mann, verliebt sich, versaut es, .... Die Autorin entwickelt hier allerdings zwei Geschichten, die erst parallel laufen und sich recht bald zu einer gemeinsamen verweben:

Jess schlägt sich mit mehreren Jobs durch, um ihren Kindern das Nötigste im Leben zu ermöglichen. Ihr Mann ist vor zwei Jahren ausgezogen, angeblich depressiv und deshalb nicht in der Lage Unterhalt zu zahlen. Zudem werden die Kinder von den Fishers gemobbt. Irgendwie scheint manchmal alles im Chaos zu versinken, doch Jess ist eine unverbesserliche Optimistin.

Der reiche Unternehmer Ed hatte eine Affäre mit einer ehemaligen Schulschwärmerei, doch die „Beziehung“ entwickelt sich nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Um die Dame loszuwerden, gibt er ihr einen Tipp, wie sie schnell an viel Geld kommen kann. Nun muss er sich wegen Insiderhandels verantworten, fliegt aus der Firma. Sein Vater ist todkrank und eigentlich möchte Ed ihn nicht mit seinen Problemen belasten.

Beide Protagonisten treffen aufeinander, als Jess ihre hochbegabte Tochter zu einem Mathematikwettbewerb nach Schottland bringen will. Die Fahrt endet abrupt und Ed rettet Jess quasi aus einer unangenehmen Situation. Er bietet sich als Chauffeur an, um seinen eigenen Problemen davon zulaufen. Dann entwickelt sich die Geschichte teils vorhersehbar, teils nicht in der Art eines typischen amerikanischen Liebesfilms mit allen Höhen und Tiefen, Ecken und Kanten.

Und obwohl ich kein Fan von Liebesromanen bin, hat mich dieses Buch gepackt. Vielleicht war ich grad in der Stimmung. Jojo Moyes hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der die eigentlich kitschig vermutete Story nicht kitschig wirken lässt. Sie schildert die Geschehnisse so, als würde man mit im Auto sitzen und den Romanhelden beim Verlieben zusehen. Die Erlebnisse der Protagonisten erscheinen nicht banal oder herbeigezogen, sondern wirken durchaus authentisch.

Ich war überrascht, wie schnell ich durch den Roman durch war. Man könnte fast sagen, ich habe ihn verschlungen. Er war eine angenehm leichte, entspannende Lektüre, die mir allerdings oft auch Tränen in die Augen trieb. Emotionen wecken kann die Autorin sehr gut.

Jojo Moyes
„Weit weg und ganz nah“
Übersetzung: Karolina Fell
Verlag rororo
ISBN: 978-3499267369

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Um Spam zu vermeiden, werden sämtliche Posts nicht sofort sichtbar, sondern erst von mir freigegeben.