Sonntag, 7. Juni 2015

Rezension: Janne Teller "Nichts was im Leben wichtig ist"

Ratlos ließ es mich zurück, das Buch von Janne Teller. Ratlos, weil ich nicht so genau weiß, was ich davon halten soll. Einerseits habe ich es in einem Rutsch durchgelesen, da es so geschrieben ist, dass man unbedingt wissen will, was als nächstes kommt. Andererseits kam mir der Inhalt stellenweise so absurd, teils sogar an den Haaren herbeigezogen vor, dass ich nun nicht weiß, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht.

"Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun." Mit diesen Worten schockiert Pierre Anthon seine Mitschüler und verlässt den Unterricht. (Zitat Buchdeckel) Pierre Anthon sitzt ab diesem Zeitpunkt auf dem Pflaumenbaum vorm Haus seiner Familie und piesackt seine Klassenkameraden mit destruktiven Lebensweisheiten. Zur Schule geht er nicht mehr. Die Schüler sind von seinen Worten so aufgewühlt, dass sie ihm beweisen wollen, dass es doch Bedeutung im Leben gibt. Dies setzt bei den jungen Menschen etwas in Gang, das am Ende - natürlich - eskaliert.


Der Schreibstil der Autorin ist kurz, präzise, schnörkellos und passt perfekt zur Geschichte. Janne Teller berichtet aus der Sicht einer der beteiligten Schülerinnen: Agnes. Und Agnes hält sich nicht mit blumigen Beschreibungen auf, sie erzählt fast schon emotionslos hintereinander weg, was passiert ist. Manchmal gibt es ein paar mehr Details. Und da, wo es nicht mehr zu sagen gibt, wird auch nicht mehr gesagt.

Tatsächlich treibt die Autorin ihre Leser durch das Buch. Ihre Erzählweise fesselt, was sie schildert ist unfassbar. Aber aus meiner Sicht an manchen Stellen auch zu viel. Es ist zwar nachvollziehbar, was sich die jungen Menschen - alle zwischen 13 und 14 Jahren alt - in ihrem Zorn, in ihrer Angst ausdenken. Doch dass aus diesen wirren und teils abartigen Gedanken Taten werden, mag ich nicht jedes Mal glauben. Zudem kann ich diesen extremen Gruppenzwang der Klasse 7 A nicht immer nachvollziehen. Störer, Petzer oder Aussteiger gibt es in dieser Geschichte nicht.

Auch wenn die Erzählung fiktiv ist, hinterlässt sie ein ein mulmiges Gefühl - wenn man darüber nachdenkt, wie kaputt eine Gesellschaft sein muss, wenn Teenager mit ihren Sorgen, Ängsten und Problemen nicht mehr zu ihren Eltern oder Lehrern gehen können.

Fazit: Bei mir hinterlässt der Roman gemischte Gefühle zwischen "spannend geschrieben" und "teilweise unglaubwürdig, zu dick aufgetragen". Vielleicht ist es aber auch zu lange her, dass ich den "Herr der Fliegen" gelesen habe, in dessen Reihe Tellers "Nichts" gestellt wird, um mich ganz und gar auf die Bedeutung des Werkes von Janne Teller einzulassen.


Janne Teller
"Nichts was im Leben wichtig ist"
Übersetzung: Sigrid C. Engeler
Deutscher Taschenbuchverlag
ISBN: 978-3423625173