Dienstag, 14. April 2015

Rezension: Tanja Bern "Nah bei mir"

Cover: Copyright Shikomo
Tanja Berns Roman „Nah bei mir“ ist eine Liebesgeschichte, die alles hat, was sie braucht: Spannung, Knistern, Romantik, Tragik und einen Hauch Mystik. Nicht zu vergessen: lebendige Protagonisten und den Knopf, der das Kopfkino einschaltet.

„Nah bei mir“, erschienen im Arunya-Verlag, gehört zum Genre Gay-Romance und ist eine Geschichte in der Geschichte. Im Klappentext macht die Autorin neugierig:

„Seit ihrer Kindheit träumt Katelyn von einem Mann, der in den Ruinen eines Hauses auf sie zu warten scheint. Als sie bei ihrer Großmutter ein 250 Jahre altes Medaillon mit dem Porträt dieses Mannes findet, kann sie kaum fassen, dass sie ihn plötzlich vor sich sieht. Ihre Großmutter erzählt ihr, dass auf dem Bild der Adlige John McKay abgebildet ist, und vertraut Katelyn seine Geschichte an, die in handgeschriebener Form seit Generationen in Familienbesitz ist. Katelyn taucht tief in seine Erinnerungen ein …“

Dies weckt Erwartungen auf eine spannende und romantische Geschichte. Erwartungen, die Autorin Tanja Bern zu erfüllen weiß.

Die Erzählungen in den Tagebüchern nehmen den Leser mit auf die Reise ins England des 18. Jahrhunderts. Der anschauliche Schreibstil der Gelsenkirchener Autorin lässt die Bilder alter Zeiten vor dem inneren Auge entstehen und man fühlt sich schnell als heimlicher Beobachter, der John McKay nicht mehr von der Seite weicht. Sehr klar zeichnet Tanja Bern das Leben in der englischen Grafschaft Westmoreland nach. Sitten und Gebräuche, Regeln und Glauben werden durch den Erzählstrang lebendig.

Die Tagebücher erzählen die Geschichte einer für diese Zeit riskanten Liebe. Bei einem Ausritt trifft der Adlige John auf eine Gruppe Fahrender, die sich auf den Ländereien seines Vaters niedergelassen haben. Unter ihnen ist Jake. Als John den jungen Mann sieht, überwältigen ihn Gefühle, die er bis dahin nicht kannte. Dabei liebt John seine Frau Helen, die nicht nur eine treue Seele, sondern auch eine gute Freundin für ihn ist.

Langsam entwickelt sich die Liebesgeschichte zwischen John und Jake  – immer wieder begleitet vom Nervenkitzel, ob ihre Heimlichtuerei irgendwann auffliegt und sie sich somit in Gefahr begeben.

Tanja Bern hat eine wunderbare Geschichte entwickelt, die den Leser sofort ins Buch zieht und bis zum Schluss nicht mehr los lässt. Es ist eine Liebesgeschichte, die völlig ohne Kitsch auskommt, stattdessen viel Gefühl preisgibt und genug Raum für eigene Gedanken und Fantasien lässt. Die Personen im Roman wirken lebendig, ebenso die Beschreibung des Umfelds. Es ist fast so, als würde man die echten Tagebücher des John McKay in Händen halten. Ein Lesevergnügen bis zum letzten Satzzeichen.


Tanja Bern
"Nah bei mir"
Kindle Edition
Arunya Verlag
ASIN: B00RAFPL2U

Webseite der Autorin: http://www.tanja-bern.de/