Freitag, 10. April 2015

Rezension: Michael Starcke "von oben winzige punkte"



Es ist wie ein Innehalten, ein Nachsinnen über sich und die Welt, bevor man weiter seiner Wege geht. Und es schwingt ein wenig Abschied mit. Michael Starckes Lyrikband „von oben winzige punkte“, erschienen im Früher Vogel Verlag Bochum, nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch „vertraute Räume und Zeiten“ (Klappentext), deren Ausgang jeder für sich selbst findet.

Das Cover, gestaltet von Christoph Lammert aus Bochum, könnte ein Blick von oben aus dem All auf unseren Planeten sein, auf dem wir uns wie winzige Punkte bewegen. Kräftige Farben leuchten dem Leser entgegen, verheißen einen Ausflug in die Welt zwischen den Buchdeckeln.

Tatsächlich ist es ein Blick auf die Gesellschaft und auf sich selbst, die sich im Inneren des Buches offenbaren. Unverblümt, kritisch, ohne Maskerade, dennoch behutsam zieht der Autor Bilanz und fragt, „was bleiben könnte im Angesicht des Abschieds“ (Klappentext). Und gibt dabei das Versprechen ab: „genauer hinschauen, / genauer hören, / bis es endet“ (der augenblick).

Wagt man sich tiefer hinein, übermannen einen oft melancholische Gefühle. Als würde der Herbst des Lebens nicht nur Erinnerungen wecken: „manchmal möchtest du / niemand mehr sein / im herbst der welt“ (manchmal möchtest du). Es heißt stehen zu bleiben und nachzudenken; „kein haus wurde je gefragt, / ob es bleiben will, / während seine bewohner / selbst noch im schlaf / auf reisen gehen.“ (kein haus wurde je gefragt).

Michael Starcke reflektiert unser Dasein auf seine besondere Art. Gekonnt fasst er Wahrnehmung in Worte, stellt Fragen, die kaum beantwortet werden können, aber die Denkmaschine in Bewegung setzen. In „von oben winzige punkte“ geht er durch Jahres- und Lebenszeiten, blickt zurück und sieht nach vorn und lässt dabei seinen Lesern den Raum, den sie brauchen, um eigene Gedanken zu formen.

Es ist eine Auseinandersetzung mit der Welt, „schwierig, / näher an die welt zu treten“ (schwierig), die keine vorgeformten Antworten liefert. Und immer wieder die Frage nach dem Sinn: „manchmal, wenn es still ist, / höre ich stimmen. / ein echo auf die frage / was sinn macht, was nicht.“ (manchmal, wenn es still ist). Und beinah unscheinbar formt sich der Gedanke, was Freiheit einem Lyriker bedeutet, der sich weder „verkleidet“, noch ein Blatt vor den Mund nimmt, „um wenigstens frei / zu sein auf dem papier.“ (wenigstens frei).

Michael Starckes „von oben winzige punkte“ ist ein tiefgründiges Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es zu erleben.


Michael Starcke
"von oben winzige punkte"
Verlag Früher Vogel
ISBN: 978-3937463155

Link zur Autorenwebseite: www.michael-starcke.de