Samstag, 28. Februar 2015

Rezension: Matt Haig "Ich und die Menschen"

Es ist ein Roman, der mir aus der Seele sprach, der mich faszinierte, überraschte und zum Nachdenken brachte. „Ich und die Menschen“ von Matt Haig ist für mich ein wunderbares Stück Literatur, das den Menschen nicht nur in den Mittelpunkt, sondern auch in Frage stellt. Ein Meisterwerk, das den Blick auf unser Dasein schärft.

Die Geschichte allein ist eigentlich recht banal. Der Mathematiker Andrew Martin hat die so genannte Riemannsche Vermutung bewiesen. Das ist der Durchbruch im weiten Feld der Mathematik und der Durchbruch für die Weiterentwicklung der Menschheit. Doch die Menschen sind noch nicht so weit – befinden zumindest die Vonnadorianer, eine hochintelligente Spezies von weit, weit, weit, weit her.

Der Fortschritt auf der Erde muss verhindert werden und kurzerhand ersetzen sie den Wissenschaftler Martin durch einen der Ihren. Der Außerirdische lebt Andrew Martins Leben weiter, anfangs mit dem Ziel, nicht nur sämtliche Unterlagen zum Beweis der Riemannschen Vermutung zu vernichten, sondern auch gleich alle Menschen auszulöschen, denen Martin davon erzählt hatte. Doch während das außerirdische Wesen seinen Auftrag Schritt für Schritt erfüllt – und je länger es sich auf dem verhassten Planeten Erde aufhält – desto mehr verliert er sein Ziel aus den Augen.

Urkomisch beginnen die ersten Stunden des Außerirdischen in Martins Hülle auf der Erde. Urkomisch, da er die Gepflogenheiten und Verhaltensmuster der Spezies Mensch noch nicht kennt. Matt Haig beschreibt einige Verhaltensweisen der Spezies Mensch so herrlich überspitzt, dass sie lächerlich wirken. Doch schnell weicht der Klamauk einem ernsten Spiegel, den der Autor seinen Lesern knallhart und ohne Vorwarnung vor die Nase hält. Der Mensch, in seinem Denken, seinem Tun, in seinem gesamten Sein. Alles wird ganz nah ans Auge des Lesers gezogen. Alles wird in Frage gestellt. Der Mensch ist schlecht. Getrieben von der Gier nach Macht, Geld und Krieg. Feststellungen, keine Wertungen. Doch der Mensch kann auch lieben und für andere da sein. Tatsächlich?!


Matt Haigs Roman ist einfach genial. Das Buch spricht allen aus der Seele, die sich auf der Erde manchmal wie Wesen vom anderen Stern fühlen, die ratlos ihre Mitmenschen beobachten und sich fragen, was machen die da eigentlich. Es ist ein Realitätsabgleich, der ungeschönt und ehrlich daher kommt, der aber nicht anklagt, sondern feststellt und viel Raum für eigenes Nachdenken lässt. Letztendlich zeigt der Roman auch die schönen Seiten des Menschseins. Es ist ein Buch, das Gefühle aufwühlt, aber auch vermittelt, dass es im Dunkeln immer Licht gibt.