Donnerstag, 7. August 2014

Rezension: Tana French "Grabesgrün"

„Grabesgrün“ war der Debütroman von Tana French und ist gar kein so schlechter Krimi, oder besser gesagt „Psychothriller“. Aber er ist auch nicht herausragend gut.

Ein junges Mädchen wird ermordet und auf dem Opferaltar einer Ausgrabungsstätte aufgebahrt. Durch Zufall bekommen die jungen Ermittler Rob und Cassie den Fall. Rob, der früher Adam hieß, hat seine eigene furchtbare Verbindung zu dem Gebiet, in dem das tote Mädchen gefunden wurde. Knocknarree. Der Ort, an dem Rob als Kind lebte. Mit seinen besten Freunden Jamie und Peter, die für immer verschwanden, während er überlebte.

Im Grunde genommen ist „Grabesgrün“ eine Art Charakterstudie eines Menschen, der durch die Arbeit an dem Mordfall mit seinem Trauma konfrontiert wird: Peter und Jamie verschwinden im Wald, Adam wird mit Blut in den Schuhen und zerrissenem Shirt lebend gefunden. Der Junge erinnert sich an nichts mehr. Die Eltern ziehen mit ihm weg, er vergräbt seine Vergangenheit und versucht, mit dem Verlust zu leben. Eine ungeheuer spannende Geschichte ist dieser Erzählstrang, mit dem die Autorin ihre Leser ins Buch zieht.

Der eigentliche Mordfall – ein junges, beliebtes Mädchen aus dem Ort, dem eine Karriere als Ballett-Tänzerin winkt, wird erschlagen und aufgebahrt – verblasst gegenüber Robs Vergangenheitsbewältigung. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin ihrem Protagonisten erheblich viel Raum gibt, in seiner Psyche zu stochern und nach Erinnerungsfetzen zu suchen. Die Erwartung, dass der alte und der neue Fall miteinander zusammen hängen, wird nie ganz abgebaut.

Neben der Dokumentation der oft im Sand verlaufenden Ermittlungsarbeit erzählt die Autorin zusätzlich noch die Geschichte einer Freundschaft zwischen Kollegen, die vielversprechend beginnt und plötzlich eine andere Richtung einschlägt und zerbricht. Diese Entwicklung geschieht recht unerwartet und in einem Ausmaß, das man nicht immer nachvollziehen kann.


Sprachlich ist an dem Werk nichts auszusetzen. Tana French hat eine sehr bildhafte Sprache und die Nacht, die Ermittler Rob allein im Wald von Knocknarree verbrachte, ist wirklich gelungen. Schade fand ich die Unausgewogenheit der Erzählstränge – das Verschwinden der Kinder damals und der Mord des Mädchens heute. Während der Mord an der jungen Ballett-Tänzerin aufgeklärt wurde, lies sie ihre Leser über Robs Vergangenheit im Dunkeln. Keine Hinweise, keine Häppchen, nichts. Die Idee, die so viel Erwartungen und Spannung aufbaute, endet einfach abrupt und lässt einen unbefriedigt zurück.

Bewertung: