Mittwoch, 18. Juni 2014

Rezension: Tanja Bern "Schattenhauch"

Cover: www.carlsen.de
Mit ihrem neuen Roman „Schattenhauch“ beweist die Gelsenkirchener Autorin Tanja Bern einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Bei ihrem Werk handelt es sich um eine Dystopie, geschrieben für Jugendliche/junge Erwachsene. Es ist ein Werk, in dem die Autorin neue Facetten zeigt, ein Werk, das man nicht weglegen mag, bis man es zu Ende gelesen hat.

Eine Chemiekatastrophe zwang die Überlebenden, sich in den Wäldern eine neue Heimat zu suchen. Abseits der großen Städte, ohne Gas, Öl und Strom führen diese Menschen ein einfaches Leben, ähnlich wie im Mittelalter. Die 17-jährige Amelie wächst in einem dieser Dörfer auf. Sie hat die Katastrophe nicht miterlebt, kennt also nur das eng mit der Natur verbundene Leben. Sie weiß aber auch, dass man das Dorf nicht verlassen darf, denn hinter den hohen Barrikaden lauern die Schatten in den Wäldern.

Doch eines Tages ist sie gezwungen, den sicheren Ort zu verlassen. Lillyn will stark sein und eine Mutprobe bestehen, geht in den Wald und verirrt sich. Amelie glaubt, mit Schuld daran zu sein, dass das Mädchen plötzlich verschwunden ist und macht sich zusammen mit Viktor Storm und Derlyn auf die Suche nach ihr. Derlyn, der Junge, den man einst in den Wäldern fand, ist ein Außenseiter. Die Suche nach der Vermissten bringt beide Jugendliche einander näher.

Tanja Bern begibt sich in „Schattenhauch“ auf neues Terrain und kann diesen Schritt als weiteren Erfolg ihres schriftstellerischen Schaffens verbuchen. Sie hat das Talent, durch Worte Bilder entstehen zu lassen. So ist der Leser oft nicht nur Beobachter, sondern mitten drin. Neu ist, dass sich die Autorin mit unserer Gesellschaft auseinander setzt und an mancher Stelle sogar mahnend den Zeigefinger hebt. Zu Recht. Als Ursache der Chemiekatastrophe bringt sie nämlich das aktuell sehr umstrittene Fracking auf den Plan. Diese Methode, Bodenschätze zu gewinnen, birgt tatsächlich das Risiko, Grundwasser und somit das Trinkwasser zu vergiften.

In ihrem Buch kreiert sie eine Welt „danach“. Das Überleben ist in den verborgenen Dörfern gesichert. Idylle scheint Einkehr gehalten zu haben. Doch die Suche nach dem verschwundenen Mädchen reißt alte Wunden auf und schiebt immer wieder die Frage in den Vordergrund, ob die Menschen aus ihren Fehlern von damals gelernt haben. Das Ganze ist gewürzt mit einer kleinen Liebesgeschichte, die sich zart entwickelt, dabei aber im Verlauf des Romans nicht zu dominant wird, um dem Blick auf eine fiktive, aber nicht abwegige Zukunft frei zu lassen.

„Schattenhauch“ stellt unsere heutige Gesellschaft in Frage. Benötigen wir alles, was es heute gibt, tatsächlich? Wie lange kann die Natur die Gier Einzelner noch aushalten?


Tanja Berns Roman „Schattenhauch“ ist nicht nur eine Geschichte, die mitreißt. Es ist ein Werk, das zum Nachdenken anregt. Es bleibt etwas hängen, das den Blick auf die Dinge verändert.

Tanja Bern
"Schattenhauch"
ISBN 978-3-646-60039-1
Verlag: www.carlsen.de
Webseite der Autorin: http://www.tanja-bern.de/

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