Montag, 30. Juni 2014

Rezension: Nele Neuhaus "Böser Wolf"

Es ist eine erschütternde Geschichte, die aufwühlt, wütend und traurig macht. Und es ist ein spannender Krimi, der fesselt, einen tief ins Buch zieht und nicht mehr los lässt. „Böser Wolf“ von Nele Neuhaus ist ein brillantes Werk, das ein nicht ganz einfaches Thema in den Fokus rückt: Kindesmissbrauch – harter Tobak, dennoch ist es gut, dass die Autorin diesem Thema eine Stimme gibt.

Ein totes Mädchen wird aus dem Main geborgen. Die Obduktion offenbart das Schlimmste: Das höchstens 16 Jahre alte Mädchen wurde schwer misshandelt und in den Fluss geworfen. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sind die ermittelnden Beamten. Lange stochern sie im Dunkeln, bis plötzlich die bekannte Fernsehmoderatorin Hanna Herzmann bewusstlos und geknebelt im Kofferraum eines Wagens gefunden wird. Missbraucht und schwer verletzt, nicht vernehmungsfähig.

Die Spur führt weiter auf einen Campingplatz, auf dem ein als Kinderschänder verurteilter Mann nach seiner Haftentlassung ein neues Zuhause gefunden hatte. Die Ermittler graben tiefer und tiefer, viele Ungereimtheiten türmen sich auf, nur wenige Erkenntnisse führen zum Ziel, den Fall endlich zu lösen. Seite um Seite führt die Autorin sowohl ihre beiden Protagonisten wie auch ihre Leser gekonnt im Kreis und an der Nase herum. Der Fall scheint unlösbar.

Das Buch ist die reinste Folter. Am Anfang braucht es zwar ein wenig Zeit, bis man in die Story findet, die Figuren geordnet hat und meint, ein paar Zusammenhänge zu erkennen. Das liegt zum Teil sicher daran, dass die beiden Ermittler Kirchhoff und von Bodenstein für Nele-Neuhaus-Kenner nicht unbekannt sind. Für mich war „Böser Wolf“ der erste Band dieser Autorin, deshalb musste ich die Protagonisten erst „finden“.

Wie in jedem – meiner Meinung nach – guten Krimi nimmt das Buch etwa ab der Mitte richtig Fahrt auf. Die Verwicklungen werden immer krasser, es gibt weitere Opfer. Kirchhoff und von Bodenstein legen sich mächtig ins Zeug, um den verwirrenden Fall aufzuklären, obwohl Pia Kirchhoff hier deutlich im Vordergrund steht. Was aber sehr gut in die Gesamtgeschichte passt.


Das Ende entwickelte sich teils erwartet, teils unerwartet. Mehrere Überraschungselemente vermischten sich mit der Bestätigung, „hab ich´s doch gewusst“. Einige Stellen trieben mir echt die Tränen in die Augen, vor Entsetzen, vor Wut, vor Ohnmacht. Und trotzdem ist es ein verdammt guter Krimi, der mit seinen Spannungsbögen den Puls durch den Körper peitscht.

Bewertung: