Mittwoch, 5. März 2014

Lesen wir heute anders?

„Die Vermessung des Lesers“ ist ein interessanter Artikel auf www.deutschlandradiokultur.de, der zu erfassen versucht, wie sich Literatur in der heutigen digitalen Gesellschaft verändert hat und noch verändern wird. Christiane Kreiner und Ulrich Rüdenauer – Verfasser des Artikels – nähern sich den Themen „E-Books, Social Reading und Self-Publishing“, um das neue Gesicht der Literatur heutiger Zeit zu entdecken. Verändert zunehmende Digitalisierung das Lesen?

Eine interessante Frage, die ich mir nicht nur als Leser, sondern auch als Autor stelle. Im Artikel geht es zunächst um das Social Reading. Es werden Plattformen wie Lovelybooks und Goodreads vorgestellt, auf denen Leser quasi in Echtzeit Bücher kommentieren. Kapitel für Kapitel oder von Szene zu Szene. Das heißt, hier findet man nicht nur die klassische Rezension – die geschrieben wird, nachdem das Buch zu Ende gelesen wurde, sondern auch Kommentare, die während des Lesen Einblicke in den Kopf des Lesers gewähren.

Für einen Autor kann das interessant sein, was Leser seiner Werke auch während des Lesens denken. Es bietet sich da z. B. die Möglichkeit, direkt mit seinen Lesern in Kontakt zu treten und über das Buch zu diskutieren. Warum entwickelt sich die Geschichte so, warum tauchen diese oder jene Figuren auf.

„Roman 2.0“ geht da noch weiter. Am Beispiel der Autorin Karen Riefflin wird diese Art zu schreiben erläutert: Autoren lassen Leser entscheiden, wie der Roman weiter geht oder bieten direkt alternative Kapitel an, welche die Handlung in unterschiedliche Richtungen lenken. „Lesen wird zum Mitmachspiel.“

Das Thema Social Reading hat mich persönlich im Artikel am meisten interessiert – Datensammel-Möglichkeiten beim E-Book-Lesen sind bekannt und Self-Publishing ist halt Self-Publishing. Doch Social Reading – darüber musste ich dann doch mal ein wenig sinnieren. Welcher Typ Autor bin ich?

Mal davon abgesehen, dass Lyrik kein Mainstream und somit ein schwer verkaufbares Genre ist, finde ich Feedback gar nicht so schlecht (auch, wenn hier im Blog die Kommentare deaktiviert sind – das hat andere Gründe). Ob ich da jetzt die klassische Form der Rezension bevorzuge oder meine Bücher gern in Foren oder Social Communities besprochen sehe, kann ich gar nicht sagen.

Was ich allerdings als nicht so mein Ding sehe, ist der „Roman 2.0“. Wenn ich eine Geschichte entwickele, möchte ich mir eigentlich nicht reinreden lassen. Einen Roman zielgerichtet nach Lesergeschmäckern schreiben fühlt sich für mich eher wie Auftragsarbeit an und nicht wie meine eigene Idee, obwohl der Autor ja nur die Richtung vorgegeben bekommt und dennoch selbst kreativ werden muss. Vielleicht sollte ich dieses „Ding“ mal als Leser ausprobieren.


Auf jeden Fall ist der Artikel sehr lesenswert. Einfach mal rein schauen: Link