Sonntag, 2. Februar 2014

Rezension: Cay Rademacher „Der Trümmermörder“

"Kommissar Staves erster Fall“ beruht auf einem echten Fall, der sich im Hungerwinter 1946/47 in Hamburg zugetragen hat. Doch im Gegensatz zum Buch von Cay Rademacher wurden die wahren Morde niemals aufgeklärt. In seinem Krimi „Der Trümmermörder“ liefert der Autor eine Auflösung der Geschichte, die zwar erfunden ist, dennoch sehr plausibel klingt.

Hamburg 1947. Es ist kalt. Verdammt kalt. Die Menschen leiden Hunger, sie frieren. Schon lange kam kein Kohlenzug mehr in der Hansestadt an. So wird das verheizt, was die verzweifelten Städter in den Trümmern finden. Lebensmittel und andere Waren gibt es auf Marken, streng rationiert. Ein Hundeleben – doch man hat überlebt und wird es weiterhin tun.

Sehr anschaulich schildert der Autor diese Zeit nach dem Krieg, als ein strenger Winter den Hamburgern hart zusetzte. In diese Kulisse platziert er die Morde an vier Menschen. Eine Frau wird tot in den Trümmern gefunden. Erwürgt. Nackt, keine Hinweise auf die Identität des Opfers. Ein alter Mann, auf gleiche Weise getötet, aller Habseligkeiten beraubt, die er am Körper trug. Oberinspektor Stave, der die Ermittlungen leitet, stochert im Dunkeln. Dann eine weitere Leiche, und noch eine. Verschiedene Stadtteile. Einzige Gemeinsamkeit: Sie liegen nackt in den Trümmern.

Soweit die Mordserie, die tatsächlich in diesem Hungerwinter geschah. Für die Ermittlungen geht der Autor seine eigenen Wege. Ein Oberinspektor, der selbst noch an den Schrecken des Krieges zu knabbern hat, bekommt Lothar Maschke von der Sitte und Lieutnant MacDonald von der britischen Verwaltung zur Seite gestellt. Zudem Druck von oben, der Fall muss schnellstens aufgeklärt werden, bevor die Hamburger in Panik geraten. Doch weder die Identität der Opfer noch eine Spur vom Täter kann Stave ausfindig machen.


Rademacher hat mit Stave einen sehr authentischen Protagonisten geschaffen, der mit den wenigen Mitteln, die man damals zur Verfügung hatte, eine Mordserie aufklären muss. Ein Mann, der selbst gegen die Kälte kämpft, gegen den Hunger, gegen die Erinnerungen. Der Autor erzählt eine Geschichte, in der Geheimnisse aufgedeckt werden und unerwartete Entwicklungen ihren Lauf nehmen. „Der Trümmermörder“ ist ein spannender Krimi mit historischem Hintergrund – absolut lesenswert.

Bewertung: