Donnerstag, 8. August 2013

Schatzkiste: Theodor Storm "Briefe an seine Braut"

Hier folgt nun ein weiterer Blick in meine Bücherschatzkiste.

[Schatzkiste open]

Theodor Storm "Briefe an seine Braut" - Herausgegeben von Gertrud Storm



Zugegeben, Storms "Schimmelreiter" hat mir damals in der Schule doch einiges abverlangt. Diese Lektüre war so gar nicht meins. Und so kam es, dass ich mich danach nicht wirklich mit Werken dieses Schriftstellers beschäftigte. Irgendwann entdeckte ich dann eines seiner Märchen, nämlich "Der kleine Häwelmann". Den fand ich so gut, dass ich ihn vor Jahren in meinem women-edition Weihnachskalender vorgelesen hatte.

Die "Briefe an seine Braut" habe ich eher durch Zufall entdeckt. Es ist nun auch einige Jahre her, dass ich mit einer Freundin an der Nordsee Urlaub machte und wir ihren damaligen Freund in einem Ferienhaus besuchten. Das Haus lag nicht am Meer, doch man hatte einen guten Blick auf den Westerhever Leuchtturm. Im Wohnzimmer hatten die Besitzer des Ferienhauses ein Bücherregal aufgebaut. Das musste ich natürlich sofort in Augenschein nehmen. Es standen hauptsächlich uralte Werke drin und die "Briefe an seine Braut" von Theodor Storm fielen mir sofort ins Auge.


Welche Ausgabe es war, weiß ich nicht mehr. Ich las dem verliebten Pärchen am Abend daraus vor. Es war einfach herrlich. Meine Freundin war von meiner Vorlesestimme begeistert und ich von den Liebensbriefen, die Storm an seine Braut Constanze schrieb. So ganz anders als der "Schimmelreiter". Das Buch hatte mich in seinen Bann gezogen. Ich war ein wenig bedrückt, dass ich dieses Werk im Ferienhaus lassen musste. Dann verging einige Zeit. Und irgendwann erreichte mich ein Päckchen von meiner Freundin. Darin war diese Ausgabe.



Storms Tochter Gertrud hatte damals die Briefe veröffentlicht, die ihr Vater an ihre Mutter noch vor der Hochzeit geschrieben hatte. Meine Ausgabe ist von 1922, die Erstauflage erschien wohl 1916, wenn man dem Copyright-Vermerk glauben darf. In der Einführung schreibt Gertrud Storm, warum sie die Briefe ihres Vaters veröffentlicht hat:

"Lange war ich im Zweifel mit mir, ob ich die Briefe meines Vaters an seine Braut Constanze Esmarch der Öffentlichkeit übergeben dürfe. Aber meines Vaters eigne Worte: 'Ein Dichter, der an seinen Beruf glaubt, und das tue ich, darf gerade sein Heiligstes seinem Volke nicht vorenthalten,' gaben mir die Sicherheit."

Zwischen den alten Buchdeckeln, die so typisch antiquarisch muffig riechen, findet man einen wahren Schatz. "Diese Briefe des Dichters sind die schönsten Denkmäler seiner Liebe. Sie zeigen das Ringen zweier edler, tiefer Naturen um Vereinigung und Heiligung durch die Liebe."

Sämtliche Briefe beginnen mit einer genauen Zeitangabe (Datum und Uhrzeit). In einigen Briefen schreibt Storm Gedichte. In allen erhält man einen interessanten Blick in Storms Zeit, sein Leben, seine Familie, Freunde und was alles dazu gehört. Man kann den Inhalt kaum beschreiben, dies ist ein Werk, das man selbst lesen muss, um es zu entdecken.

Für ihr Alter ist die Ausgabe noch sehr gut erhalten. Keine Seiten sind gerissen oder anders beschädigt. Auf einigen Seiten befinden sich allerdings Anmerkungen, mit Bleistift in Sütterlin, die ich leider nicht lesen kann. Interessant wäre, zu wissen, wer dieses Buch damals gekauft und diese Anmerkungen hinein geschrieben hat.

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