Samstag, 20. Juli 2013

Rezension: Constanze Kurz, Frank Rieger "Die Datenfresser"



Wir leben in einer Zeit, in der wir spätestens durch die Enthüllungen von PRISM gelernt haben, dass es Technologien gibt, die eine Vollüberwachung der Bürger möglich macht, das diese Technologien ständig weiter entwickelt und natürlich auch genutzt werden. In solch einer Zeit lohnt es sich umso mehr, das Buch „Die Datenfresser“ von Constanze Kurz und Frank Rieger zu lesen.

Das Buch mit dem Untertitel „Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“ ist bereits 2011 im S. Fischer Verlag erschienen und ist Lesestoff, der heute in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Kurz und Rieger beschäftigen sich in Ihrem Werk mit personenbezogenen Daten, wer Interesse an ihnen hat, um z. B. möglichst detaillierte Profile von Menschen zu erstellen. Sie gehen der Frage nach, wie Unternehmen und Behörden an unsere Daten kommen, wie sie diese verknüpfen und auswerten, um sich ein „Bild“ von uns zu machen.

Ein gelungener Einstieg in die Thematik ist das Beispiel einer fiktiven Haustier-Plattform. Die Autoren, beide Sprecher des ChaosComputer Clubs (CCC), stellen sehr anschaulich dar, welche Ziele Unternehmen verfolgen, die Plattformen – wie z. B. soziale Netzwerke – im Internet aufbauen. Es ist ein brillantes Beispiel dafür, wie wir mit unseren Daten für vermeintlich kostenlose digitale Angebote bezahlen. Aber auch, wie einfach es ist, festzustellen, woher ein Internetsurfer kommt, was er anklickt, wohin er wieder verschwindet. Wer sind die Menschen, die auf die Webseite kommen, welche Vorlieben und Wünsche haben sie – und alles „nur“, um ihnen „für sie passendere“ Werbung präsentieren zu können?

Doch dies ist nur der Einstieg in einen Rundumschlag der Möglichkeiten, mehr über Personen zu erfahren, als diese teilweise selbst wissen. Smartphones, die Ortungswanzen in der Hosentasche, sind da nur ein kleines Puzzleteilchen im großen Ganzen unserer heutigen Lebensgewohnheiten. Wir teilen unser Leben online mit vielen Menschen, z. B. in sozialen Netzwerken wie facebook, google+ und Co. Daten, die oftmals unachtsam offen feilgeboten werden, wie auf einem riesigen Marktplatz. Doch nicht nur unser Online-Leben benutzen Unternehmen und Behörden, um sich ein umfassendes Bild von uns zu machen, auch wo und wie man lebt wird zur Beurteilung einer Person herangezogen. Scoring ist hier das Zauberwort. Und Informationen, aus denen sich ein solcher Scorewert berechnen lässt, finden Auskunfteien überall: Einwohnermeldeamt, Payback, Gewinnspiele, etc.

Das Buch „Datenfresser“ ist ein sehr deutlicher Spiegel unserer heutigen Gesellschaft. Constanze Kurz und Frank Rieger finden die richtige Sprache, gut verständlich und ohne Effekthascherei die digitale Realität zu erklären. Was ist technisch möglich, wo liegen Chancen, wo liegen Gefahren, wer hat welches Interesse an Daten und warum – und wohin wird die Reise gehen. Und dies nicht nur hinsichtlich einem wirtschaftlichen Interessen an personenbezogenen Daten, sondern auch mit Hinblick auf die Verfolgung oder Verhinderung von Straftaten sowie dem regen Datenaustausch mit den USA.

Die Autoren klären auf, bestätigen Ahnungen, informieren – und das, was man da teilweise liest, kann jedem noch so spannenden Krimi locker den Rang ablaufen. Doch damit nicht genug: Zum Ende des Buches wird der Leser nicht im Regen stehen gelassen, mit all den Informationen über die „Datenfresser“ unserer Gesellschaft. Kurz und Rieger bieten Lösungen an. Wie bewegt man sich im Internet, ohne massiven Datenstriptease? Was sind sichere Passwörter, wie verschlüsselt man seine Kommunikation, wie kann man soziale Netzwerke datensparsam nutzen.

Seine Identität vor Missbrauch zu schützen, ist kein Spaziergang – so viel ist klar; aber ein gewisser Schutz der eigenen personenbezogenen Daten ist bereits mit einfachen Mitteln möglich. Denn jeder hat etwas zu verbergen.

Und was ich persönlich besonders wichtig fand: Kurz und Rieger weisen ausdrücklich darauf hin, dass jemand, der wenig im Internet macht, nicht in sozialen Netzwerken unterwegs ist und eher Briefe statt Mails schreibt, keineswegs vor den „Datenfressern“ sicher ist. Denn durch die Vernetzung vieler Menschen untereinander können auch die Daten eines „Offliners“ z. B. ohne sein Wissen bei facebook landen – weil er vielleicht Freunde oder Bekannte hat, die sich wenig um Datenschutz scheren.

Fazit: Das Buch ist ein Muss!

Mehr Infos zum Buch findet ihr hier: Link zu "Die Datenfresser"

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