Sonntag, 17. März 2013

Rezension: Ulli Engelbrecht "Samtcord, Strass & Soundgewitter"

Let´s rock, baby! Mit „Samtcord, Strass & Soundgewitter“ ist Autor Ulli Engelbrecht ein genialer Wurf gelungen. Auf dem Cover des „Lesebuchs“ prangt einem der Tonabnehmerkopf eines (wahrscheinlich) alten Plattenspielers entgegen. Zwischen den Buchdeckeln wird der Leser gleich rein gezogen in die Musikwelt der 70er und 80er. „Mensch, weißt du noch …!“


Der erste Song, der den Autor damals beeindruckt hatte, war „Penny Lane“ von den Beatles. Doch seine Geschichte, die in etliche kleine Rockstories zerlegt ist, beginnt mit einer ganz anderen musikalischen Erfahrung: seiner Zeit als Messdiener. Von einem Vikar bekam der Elfjährige seine erste Gitarre geschenkt. Er hatte Talent, lernte schnell und beglückte die Welt mit Liedern wie „Hohe Tannen weisen die Sterne“. Vor allem die Mädchen bekamen „einen komischen Glanz in den Augen“, als Engelbrecht die Saiten zupfte. Parallel zur „Gesangbuch-Phase folgte der Wechsel ins Beatfach“. Die Schallplatten seines großen Bruders waren Schuld. Spirituals, Gospels, aber auch Songs wie „When A Man Loves A Woman“ von Sam & Dave oder „Massachusetts“ von den Bee Gees bekam Engelbrecht in die Finger. Und war infiziert.

In den folgenden Geschichten plaudert der Autor munter darauf los und gibt tiefe Einblicke in seine musikalischen Streifzüge. Obwohl nie ein Fan von Schlagern, gab es beispielsweise einen Song, der ihn „aufhorchen“ ließ: Roy Blacks „Das Mädchen Carina“. Da war er zwölf und beschloss, seine erste Freundin müsse Carina heißen. Ob er je eine Carina kennenlernte?

Es folgt Erinnerung an Erinnerung: Ton Steine Scherben, Can, Kraftwerk, Led Zeppelin, Nazareth und so weiter. Engelbrecht lässt anscheinend nichts aus, auch Musik, die es nicht in seine Plattensammlung geschafft hat, wie z. B. Modern Talking. Diesem Duo hat der Autor eine eigene Story mit dem Untertitel „Das musikalische Brechmittel Modern Talking“ gewidmet. „(...) all die Jungs, die mit der Rockmusik groß geworden waren, standen dem Phänomen Modern Talking hilflos gegenüber. Hinhören? Auf keinen Fall! Aber ignorieren konnte man Dieter Bohlen und Thomas Anders auch nicht mehr, denn ab März 1985 waren sie allgegenwärtig in unserem Leben.“

Insgesamt ist das Buch ein interessanter Streifzug durch die Musikgeschichte dieser beiden Jahrzehnte, so wie sie der Autor aus dem Ruhrgebiet kennengelernt hat. Seine Erinnerungsstücke hat er dabei stets mit musikgeschichtlichen Informationen angereichert, so dass selbst Generationen, die die 70er und 80er nicht erlebt haben, ein gutes Bild dieser Zeit vorgelegt bekommen. Für alle anderen heißt es von Anfang bis Ende in Erinnerungen schwelgen, die alten Zeiten noch einmal aufleben lassen, in den Platten von damals stöbern – es ist ein Werk, worin sich jeder wieder finden kann, der diese musikalischen Zeiten durchlebt hat.

Fazit: absolut lesenswert, kurzweilig, lustig, informativ, spannend – rockig!

Link zu Ulli Engelbrecht

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