Freitag, 22. März 2013

Rezension: Stefanie Philipp "Der Sohn der Amazone"

Ein bemerkenswertes Debüt ist Autorin Stefanie Philipp mit ihrem Buch "Der Sohn der Amazone" gelungen, das als Amazon Kindle Edition erschienen ist. Der historische Roman erzählt vom Leben der Amazonen, dem Volk der Freien Frauen, und setzt sich mit den Schwierigkeiten alter Glaubenssätze auseinander, die auftauchen, wenn man diese verändern möchte.


Romanheldin Raván ist mit ihrer Tochter Hastee unterwegs. Sie haben einen guten Hengst für einige Felle eingetauscht und wollen das Tier zu ihrer Sippe bringen. An einer Wasserstelle treffen sie auf die Menschenwölfe - Männer. Sofort wird der ewig währende Konflikt zwischen den Freien Frauen und den Menschenwölfen sichtbar. Gegenseitige Angst und Verachtung. Spannung liegt in der Luft, die der Leser greifen kann. Doch die Situation endet glimpflich, nicht so das, was Raván und Hastee auf ihrem weiteren Weg nach Hause noch bevorsteht. Die hochschwangere Frau und ihre Tochter reiten in ein Unwetter hinein. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als der junge Hengst Hastee verletzt, diese beinah im reißenden Strom ertrinkt, den die beiden Frauen gerade überqueren wollten. Raván rettet ihre Tochter, doch das Ungeborene in ihrem Leib fordert seinen Tribut. Das Kind kommt in der Wildnis zu früh auf die Welt.

Doch nicht nur das. Das schreiende Bündel in Raváns Armen ist nicht die heiß ersehnte zweite Tochter, sondern ein Welpe. Der Brauch ihrer Familie verlangt, dass dieser der Großen Mutter übergeben werden muss. Raván weiß, was das bedeutet. Der Welpe wird nicht überleben. Doch will und kann sie hier, fern ihrer Familie, die Zeremonie nicht allein vollbringen und trifft einen folgenschweren Entschluss. Sie behält das Kind und entwickelt plötzlich Muttergefühle für den verhassten kleinen Menschenwolf.

Spätestens jetzt lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Der Leser ist gefangen und verfolgt mit ebenso einem Gefühlschaos im Leib, wie Raván gegen sich selbst, gegen ihr Neugeborenes und gegen die Bräuche ihrer Familie kämpft. Als sie die Jurten ihrer Familie erreicht und den Frauen die Wahrheit sagt, nimmt ihre Mutter Banou das Kind und bringt es zum Altar, um es der Großen Mutter zu übergeben. Doch Raváns Bindung an den Kleinen ist bereits zu stark und so beginnt ihr Kampf um das Überleben des Welpen.

Stefanie Philipp hat in ihrem Erstling ein spannendes, ehrliches und schonungsloses Bild der Freien Frauen gezeichnet, dass den Leser nicht mehr los lässt. Das geheimnisvolle Volk der Amazonen, über das es sicher manche Märchen gibt, wird hier sehr klar beschrieben. Es ist keine rührselige Geschichte, sondern eine Auseinandersetzung mit Bräuchen, Glauben und dem Willen und Mut zu Veränderung. Warum sich eine Freie Frau entscheidet, entgegen dem Willen der Tradition einen Welpen großzuziehen, kann man gut nachvollziehen. Ebenso versteht man aber auch die Sitten und Bräuche der Freien Frauen und Menschenwölfe, die trotz ihrer Feindschaft so viel gemeinsam haben.
Ob es Raván schafft, ihren Welpen zu schützen und sein Überleben zu sichern; lest selbst. Mich hat seit langem kein Buch so sehr gefesselt, wie dieser Roman.

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