Sonntag, 24. März 2013

Rezension: Rainer Nocht "Himmelsmarmor"

Es ist ein Buch, das man nicht mal eben runter liest. Es ist ein Buch, das Leser tief berührt, aber nicht einfach so zurücklässt. Es ist eine Geschichte, die so wahr klingt, als würde der beste Freund sie einem gerade erzählen.

Mit "Himmelsmarmor" ist Autor Rainer Nocht ein einfühlsames Werk gelungen, das tief in die Seele eines Mannes blicken lässt, der sich ehrlich mit seinen Gefühlen, Gedanken und Erinnerungen auseinandersetzt, um in seiner Seele Platz für neue Wege zu schaffen.

Leonhardt von Bordersund sitzt im Patio seines neuen, eigenen Hauses auf Fuerteventura. Doch er kann die Vollmondnacht nicht wirklich genießen, immer wieder zerren ihn seine Gedanken in die Vergangenheit - dabei hatte ihn Consuela erst vor wenigen Minuten verlassen. Consuela. Eine Frau, die "Begehrlichkeiten" in "homöopathischen Dosen" sät und die Leonhardt mit "ihrer Anmut, ihrer Weiblichkeit und ihren spontanen Herzsprüngen" sprachlos anzieht.

Doch Leonhardt hängt in dieser wunderbaren Nacht in seiner Vergangenheit fest. Immer ein bisschen mehr zieht der Autor seine Leser Zeile für Zeile in den Strudel der Gedankenwelt seines Protagonisten hinein. Ebenso wie Leonhardts Erinnerungen umfliegen einen die Worte auf dem Papier und gebannt verfolgt man jeden noch so kleinen Ausflug ins Damals. Um nichts zu verpassen, jedes Quäntchen aufzusaugen, weil man nicht mehr heraus kann, aus Leonhardts Geschichte.

Seine erste Frau, womöglich die große Liebe, gewonnen und so schnell verloren. Ein Verlust, der weh tut. Förmlich spürt man den Schmerz dieser Erinnerung zwischen den Zeilen. Danach "die" Rosemarie. Kann sie die Lücke füllen? Doch warum sitzt Leonhardt allein in seinem Patio, mitten in der Nacht, zu seinen Füßen nur Poseidon, der Straßenköter, der ihm einfach in sein neues Heim folgte. Und Consuela?

Rainer Nochts zweiter Roman "Himmelsmarmor" ist eine anrührende Geschichte, die ans Herz geht. Nocht zeigt durch die Auseinandersetzung seines Protagonisten mit seinem Leben, dass es zwar Kraft und Mut kostet, aber nicht unmöglich ist, Enttäuschungen und Verluste aufzuarbeiten und abzuschließen. Und schließlich auch mit 60 noch einmal ein neues Leben anzufangen. Ein Roman, der durch seine Lebensnähe besticht.

Link zu Rainer Nocht

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