Freitag, 22. März 2013

Rezension: Lola Victoria Abco "Am Ende vom Horizont"

Es sind Geschichten, die aufwühlen können, nachdenklich stimmen und die Gedanken weit fort tragen. "Am Ende vom Horizont" ist eine gut ausgewählte Sammlung von Novellen der Autorin Lola Victoria Abco, die in jeder Geschichte von Menschen erzählt, die vor mehr oder weniger schwer wiegenden Entscheidungen stehen - und diese treffen oder auch nicht. Die Autorin schafft es mit ihrem unverkennbaren Stil, ihre Leser sofort in die Geschichten zu ziehen. Man ist dabei und kann als stummer Teilhaber die Protagonisten auf ihren Gefühlsreisen begleiten.


Wie zum Beispiel Manfred, der gedankenverloren hinter seiner Theke steht. Sein verträumter Blick bleibt bei einer jungen Frau hängen, die allein an einem Tisch sitz, vor sich zwei Eisbecher. In seinen Gedanken verschmilzt diese Frau, "eine Madonna", immer mehr mit dem Bild an der Wand. Mit ihr einfach davon gehen, ihr folgen und dann im Nichts verschwinden. Manfred weiß plötzlich, was er zu tun hat.

Oder eine junge Frau, die heimlich auf eine Kontaktanzeige antwortete, weil sie glaubt und hofft, so ihrem Familienalltag entfliehen zu können, zum Leben und zu sich selbst zurück findet. Und auf den Weg zum ersten Date mit einem Unbekannten, verlässt sie plötzlich der Mut. Nur ein "rotes Halstuch" bleibt zurück. Das Ende, oder doch ein Anfang?

Lola Victoria Abco zeigt sehr deutlich verschiedene Höhen und Tiefen menschlicher Gefühlswelten, sehr beeindruckt hat mich dabei die Geschichte "Die Stille und das Nichts", die eine beängstigende Stimmung verbreitet. Auch hier setzt Abco ihre Worte genau richtig ein, um die Panik, die die Person in dieser Episode erlebt, den Leser spüren zu lassen. Man stelle sich nur einmal vor: Du wachst auf und bist blind, taub und bewegungslos. Einfach so. Eine grauenvolle Vorstellung - perfekt umgesetzt.
Erholung gibt es direkt darauf in der Geschichte "Urlaub", die ein auf wenige Worte reduzierter Urlaubsbericht ist, der so straff geschrieben ist, dass man sich ein Lachen nicht verkneifen kann. Klasse Idee!

In den Novellen in "Am Ende vom Horizont" begegnet man Familie, Liebe, Partnerschaft und dem Tod. Alles ist miteinander verbunden und doch individuell - ein Buch, das man gern mehrmals liest.

Link zu Lola Victoria Abco

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