Freitag, 15. März 2013

Rezension: Gitta Becker "Gänseblümchen"

Es ist eine Geschichte, die berührt und unter die Haut geht. Sicher ist sie vielen Familien bekannt – aus ihrer eigenen Sicht. Andere können sich dies kaum vorstellen, da sie von solchen Erfahrungen gänzlich unberührt blieben. Gitta Beckers „Gänseblümchen“ ist eine sehr persönliche Autobiografie, die vom Leben ihrer Familie mit einem behinderten Kind erzählt. Es ist eine Geschichte, die in Liebe erzählt wurde – der Untertitel heißt: „Mein glückliches Leben mit meinem behinderten Sohn“. Die Diagnose muss die Familie hart getroffen haben: Sohn Andreas hat eine schwere Form der Epilepsie und dazu eine 100-prozentige geistige Behinderung. In ihrem Buch beschreibt die Autorin, wie die Familie mit Andreas´ Krankheit umgehen lernte und sich dafür entschied, ihrem erwachsenen Sohn trotz Behinderung ein von der Familie unabhängiges Leben zu bieten, „wie es jeder Mensch verdient hat“.


Becker führt ihre Leser chronologisch durch ihre Lebensgeschichte, die mit Andreas Geburt im April 1980 ein neues Kapitel erhielt. Anfangs schien alles wunderbar und perfekt. Doch dann kam der erste Anfall, danach folgen unzählige Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte. Die Ungewissheit in der Familie wird immer größer, bis endlich die unumstößliche Diagnose feststeht. Doch wie lebt man mit einem Kind, das von Anfällen geplagt ist und die Welt nicht so erlebt, wie ein gesunder Mensch? Wie koordiniert man Zuneigung zwischen Geschwistern, wenn eines gesund und eines krank ist? Fragen, die in jeder Familie anders beantwortet werden. Becker lässt in ihrer Biografie den Leser daran teilhaben, wie ihre Familie den Alltag mit einem behinderten Kind gemeistert hat. Sie schreibt offen über die Momente, in denen ihr als Mutter alles über den Kopf wuchs, aber auch von ihrer Hartnäckigkeit, alles für das Kind zu tun, was notwendig ist, um auch Andreas ein „normales“ Leben zu ermöglichen. Es werden Grenzen ausgelotet im Umgang miteinander und in der Belastbarkeit der Familie. Trotz der Aufs und Abs steckt unglaublich viel Liebe zwischen den Zeilen.

Dieses Buch berührt, weil es Offenheit und Ehrlichkeit ausstrahlt, weil es nichts verschönt, aber auch nichts überdramatisiert. Es ist sicher Balsam für Betroffene, die darin ihre Geschichte in einer anderen Farbe erkennen, aber auch Aufklärung für Nichtbetroffene.

Über die Autorin
„Gitta Becker lebt mit ihrer Familie in Berlin. Sie schreibt Kurzgeschichten, Romane und entwickelt Stoffe für Drehbücher. Die Krankheit ihres Sohnes, seine Art das Leben zu meistern, veranlasste sie dieses Buch zu schreiben.“ (Auszug Buchdeckel "Gänseblümchen")

Leseprobe auf der Webseite der Autorin: http://www.gitta-becker.de

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