Freitag, 22. März 2013

Rezension: Dietmar Ostwald "Aktion Kornblume"

Minimalisiert auf einen Augenblick der deutschen Geschichte wird menschliche Charakterlosigkeit serviert. "Aktion Kornblume" heißt das Theaterstück von Dietmar Ostwald, dass ein Thema ins Scheinwerferlicht zerrt, dass mancher lieber vergessen mag: Spitzelei und Verrat in der ehemaligen DDR.


Das Stück kommt mit wenigen Figuren aus. Wagner, dessen Vergangenheit sich einfach nicht auslöschen lässt und wie Pech an seinen Füßen klebt, ist wie geschaffen für den Job. Dorfbewohner ausspionieren, Landesverräter aufspüren - für die gute Sache, versteht sich. Für Frieden und Sozialismus. Wagner war ein Nazi, kein guter Stand im friedliebenden Arbeiter- und Bauerstaat. Der Hauptmann wittert hier eine gute Chance, die sich für ihn auszahlt. Einen willigen Handlanger, der für ihn die Drecksarbeit erledigt.

Wagner findet sogleich eigene Helfer - durch Erpressung und Versprechungen. Ein schönes Haus für die Familie, wer kann da schon nein sagen. Die Rechnung scheint aufzugehen, der Hauptmann bekommt, was er will: Landesverräter auf dem Silbertablett präsentiert, die sogleich vom Grenzort weg weiter ins Landesinnere verschleppt werden. Bloß nicht aufmucken, schlimmer geht's immer.
Doch auch bei Wagner werden die Daumenschrauben fester gezogen. Seine Frau. Ebenfalls eine Verräterin? Schaffte sie nicht den Sohn heimlich in den Westen? Ins Feindesland? Mit solch einem Subjekt kann, nein darf Wagner nicht mehr Tisch und Bett teilen. Liefert er sie ans Messer?

Dietmar Ostwalds Theaterstück hält dem Mensch von heute einen Spiegel der Vergangenheit vor. Mit kurzen Szenen, oft wenigen, aber präzise gesetzten Worten, streut er Salz in die deutsche Wunde, regt zum Nachdenken an, erinnert. Es ist ein Stück, das bewegt - vor allem diejenigen, die diese Vergangenheit selbst erlebt haben. "Aktion Kornblume" ist ein Stoff, der unbedingt aufgeführt werden muss.

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