Freitag, 15. März 2013

Rezension: Christine Sylvester "Muschebubu"

Eine Kommissarin sitzt im Zug nach Dresden. Sie war auf einem Seminar zum Thema Korruptionsprävention und wollte eigentlich nur in Ruhe nach Hause fahren. Wenn da nicht diese nervige Mitreisende wäre, die unentwegt plaudert und Dinge aus ihrem Leben erzählt, die die Polizistin gar nicht wissen will. Die Beamtin schafft es, dennoch ein wenig zu schlafen und als sie kurz vor Dresden aufwacht, ist jene Mitreisende tot. Wie geht das? Wie kann man einen Menschen neben einer schlafenden Polizistin ermorden? Das habe ich mich gefragt, als ich die ersten Seiten von Christine Sylvesters Roman „Muschebubu“ gelesen habe und wollte es einfach wissen. Die Autorin schaffte mit dieser Episode einen herrlichen Einstieg in einen spannenden Krimi, der einen bis zum Schluss nicht mehr los lässt.


Lale Petersen ist der Name ihrer Protagonistin. Sie ist eine Frau der Art „liebenswerte Chaotin“. Von ihrem Mann hat sie sich getrennt und lebt mit ihrem Sohn allein in Dresden. Der Mordfall im Zug, der sozusagen direkt vor ihrer Nase passierte, zieht Lale in eine turbulente Ermittlungsgeschichte hinein. Gut ausgeklügelt hat die Autorin die einzelnen Bausteinchen, die sich langsam zusammen fügen, um den Blick auf die Hintergründe der Tat zu gewähren. Ein Sumpf aus Polizeikorruption, Stasi-Verbrechen und Drogenhandel tut sich auf und eine Leiche ist noch längst nicht genug. Und Christine Sylvester ist raffiniert: Sie bietet ihren Leser immer nur gerade so viel Stoff, wie nötig ist, um weiter in die Geschichte zu locken. Zug um Zug setzt sie neue Figuren aufs Brett und verstrickt Lale in abenteuerliche Ermittlungsarbeiten, triftet dabei aber nie ins Absurde ab, sondern lässt die Realität nicht aus den Augen.

Mit dem Auftauchen des Ex-Mannes der Kommissarin, der als der neue Staatsanwalt in Dresden in den Fall einsteigt, baut Sylvester einen brisanten Nebenschauplatz auf, denn der werte Ex-Gatte erhebt noch immer gewissen Ansprüche gegenüber Lale und wird angesichts der Verwicklungen in diesem mysteriösen Mordfall, der sich schnell zu einer Mordserie entwickelt hat, zum Beschützungswahnsinnigen. Man möchte ihn hauen, diesen aufdringlichen Kerl, der einfach nicht die aktuelle Situation seiner Nicht-mehr-Ehe akzeptieren will, doch dann hat man das Gefühl, dass sich Lale nicht so klar darin ist, ob der Ex nun definitiv Ex ist und bleibt. Ein herrliches Gezerre – in einer so bildhaften Sprache, die richtig Emotionen auslöst.

„Muschebubu“ ist ein exzellenter Kriminalroman, der durch guten Stil, eine ausgeklügelte und logische Handlung sowie klar gezeichnete Charaktere besticht. Absolut lesenswert.

Update:
Link zu Christine Sylvester

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