Samstag, 16. März 2013

Rezension: Angie Pfeiffer "Ruhrpottliebe"

Gelsenkirchen in den 70ern. Elisa macht ihre Ausbildung zur Bürokauffrau bei einem Opelhändler und wartet auf die große Liebe. Doch dann entwickelt sich alles ganz anders.


„Ruhrpottliebe“ heißt Angie Pfeiffers zweiter Ruhrgebietsroman, der im Verlag BoD erschienen ist. Es ist die Fortsetzung ihres Romans „Ruhrpottadel“ und auf gut 150 Seiten erzählt die Autorin auf amüsante und authentische Weise, wie ihre Heldin – so langsam erwachsen geworden – auf der Suche nach der Großen Liebe „einen Gimpel namens Alfred“ trifft.

Alles beginnt auf der Hochzeit ihrer besten Freundin Annerose im Jahr 1974. Elisa hofft, dort ihren Traumprinzen kennenzulernen, stattdessen läuft ihr ihr Ex über den Weg. Ein Traumprinz ist der nicht, doch erweist er sich so nach und nach als „würdiger Ersatz“. Obwohl Elisa eigentlich erst einmal keinen festen Freund möchte, kommen sie und Alfred sich dann doch näher und werden wieder ein Paar. Die Beziehung wächst und schließlich heiraten die beiden. Und schwupps ist Elisa mitten drin in Alfreds verkorkster Familie, den Jollenbecks. Die Schilderungen der jeweiligen Begegnungen Elisas mit der Jollenbeckschen Sippe sind einfach zu köstlich.

Doch der Roman ist keine Aneinanderreihung von urkomischen Familienanekdoten, sondern birgt auch ein sehr ernstes Thema: Gewalt in der Ehe. Pfeiffers Protagonistin sah bereits von Anfang an die Hochzeit ihrer besten Freundin Annerose mit einem Grummeln im Magen. Ihr ungutes Gefühl bestätigte sich im Laufe der Geschichte, denn Annerose fand in ihrer Verbindung mit Mario nicht das Glück, dass sie erhofft hatte, sondern blaue Flecken und viele Tränen. Sehr gut beschreibt die Autorin die Hilflosigkeit Elisas, die um das Leid der Freundin weiß, ihr aber kaum helfen kann, da Annerose trotz Qualen lange an der Ehe festhält. Dass Elisa selbst nicht glücklich mit ihrem Alfred wird, ahnte die junge Frau sicher sehr früh, doch verdrängte sie diese Gedanken gekonnt.

Angie Pfeiffer zieht die Aufmerksamkeit des Leser auf ganz alltägliche Familiengeschichten, gewürzt mit dem Charme der Region in der damaligen Zeit. Kohle, Maloche, einfaches Leben. Es ist spannend, davon zu lesen und entlockt sicher so manchem ein „ja, so war das damals“. Pfeiffer erzählt gekonnt von Familienfreud und -leid, kleinen zwischenmenschlichen Tragödien, falschen und richtigen Entscheidungen. Durch die Erlebnisse der beiden Freundinnen Annerose und Elisa verarbeitet der Roman ein interessantes Thema. Wieso haben die beiden jungen Frauen sich für diese Männer entschieden? Wie stark beeinflussten damals Gesellschaft und Familie das eigene Denken? Wie gehen sie trotzdem ihren Weg.

Ein schöner Roman, den man in einem Rutsch gut lesen kann, der einen schmunzeln lässt, aber auch mal nachdenklich stimmt.

Angie Pfeiffer wurde 1955 in Gelsenkirchen geboren und lebt heute mit ihrem Mann, vier Söhnen, zwei Dackeln und einer Katze im Münsterland.

Update:
Link zu Angie Pfeiffer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Um Spam zu vermeiden, werden sämtliche Posts nicht sofort sichtbar, sondern erst von mir freigegeben.