Montag, 18. März 2013

Rezension: Angelika Stephan "Entflammtes Herz"

„In jedem Augenblick des Lebens sind wir dem Facettenreichtum unserer Gefühle ausgeliefert.“ Und das ist es, was Autorin und Malerin Angelika Stephan fasziniert und inspiriert. Mit ihrer Anthologie „Entflammtes Herz“ hat die Autorin jetzt eine interessante Mischung verschiedenster Gefühlswelten veröffentlicht, die sie in Gedichten, Aphorismen und Kurzgeschichten betrachtet hat.


Das Buch – im Engelsdorfer Verlag erschienen – beinhaltet einen gut gegliederten Streifzug durch Angelika Stephans Literaturschaffen. In die einzelnen Bereiche des Buches führen Gemälde der Künstlerin, wie farbenprächtige Türen in neue Welten. Passend ausgewählte Kunstwerke.

Gleich zu Beginn ziehen spannende Kurzgeschichten den Leser ins Buch. Eine alte Rechnung soll beglichen werden und Kommissar Helnwein kommt in der Geschichte „Eiskalt“ in eine wirklich missliche Lage. Und wer rettet nun Karla, die gefesselt und geknebelt im Kofferraum eines Wagens um ihr Leben bangt?

„Rache ist süß“ - andere Szene, andere Geschichte, eine andere Rechnung. Es wird schlüpfrig und lustig zugleich, ohne an Spannung zu verlieren. Ben, ein Mann, der sich anscheinend ungern festlegen mag, geht genau den Frauen auf den Leim, die er zuvor für seine Bedürfnisse (aus)genutzt hat. Sie locken ihn geschickt in die Falle, um sich an ihm zu rächen. Eine herrliche Geschichte!

Angelika Stephan hat sich jedoch nicht nur der kriminalistischen Gefühlswelt verschrieben, sondern gibt auch scheinbaren Alltäglichkeiten Raum. „Haarspalterei“ sollte man nicht vor einem Friseurbesuch lesen, sonst überlegt man sich vielleicht, die Haarpracht in Ruhe weiter wachsen zu lassen. Vorurteile, die wir alle in irgend einer Form in uns tragen, hält die Autorin dem Leser in „Begegnung am Abend“ unverblümt vor die Nase. Eine sehr gute Episode, wie aus dem Leben geschnitten.

Bewegend sind die Geschichten, in denen Angelika Stephan einen Sprung in vergangene Zeiten wagt. „Die Trompete“ ist eine herzzerreißende Erzählung über Menschen in Berlin, die durch den Bau der Mauer über Jahre voneinander getrennt wurden. Eine junge Freundschaft zerrissen. Die Autorin lässt die vergangene Zeit vor dem inneren Auge wieder aufleben, wie eine Erinnerung an altes Unrecht.
Ebenso bewegend ist die Geschichte eines Hochwassers in Bottrop im Jahr 1938. In sehr lebendigen Bildern schildert Angelika Stephan in „Land unter“ die Existenz bedrohende Situation dieser Naturkatastrophe.

Zum Ausklang hat die Autorin einige ihrer Gedichte und Aphorismen zusammen gestellt, in denen sie noch einmal tief in den Facettenreichtum der Gefühle hinein taucht.

Link zu Angelika Stephan

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