Sonntag, 24. März 2013

Rezension: Alisha Bionda (Hrsg.) "Heimweh eines Cyborgs"

Fiction in der Literatur kann sehr facettenreich sein - Science Fiction, Social Fiction, Dark Fiction … - und wie abwechslungsreich dieses Genre ist, davon kann man sich in der Anthologie von Alisha Bionda einen sehr guten Eindruck verschaffen. "Heimweh eines Cyborgs" heißt der dritte Band der Dark-Wor(l)ds-Reihe, die im Verlag p.machinery erschienen ist - und sowohl das gelungene Cover wie auch die Auswahl der Geschichten machen neugierig.


Titelbild und Illustrationen stammen von Crossvalley Smith. Wirklich klasse ist, dass nicht nur das Titelbild in Farbe ist, sondern alle Illustrationen im Buch farblich gestaltet sind. Das macht diesen Band zu etwas Besonderem. Vor allem aber auch unter dem Aspekt, dass die Autoren sich in dieser Anthologie von den Bildern Crossvalley Smiths haben inspirieren lassen und auf Basis der Grafiken ihre Geschichten schrieben. Was dabei heraus gekommen ist, ist bemerkenswert - unterhaltsam, abstrakt, nachdenklich, überraschend.

11 Geschichten entführen den Leser in ferne Welten und Zeiten, hinaus ins All oder vor die Tür, ins damals und morgen, ins Hier und Jetzt. Eine Fülle an Ideen, ein enormer Einfallsreichtum ist da zwischen die Buchdeckel gepackt und thematisch sind die einzelnen Werke so abwechslungsreich, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist - Cyborgs, Roboter, Aliens, Zeitreisen, Weltall, Erde, Mensch.

Besonders beeindruckt haben mich folgende Kurzgeschichten:
 
"Vierundzwanzig Stunden", Guido Krain: Der Leser begleitet Sabine Söderberg auf ihrer Mission zum Marsmond Phobos. Schon die Stimmung zu Beginn lässt einen erschauern, geschickt zeichnet der Autor ein Bild im Kopf, das haften bleibt. Söderberg begibt sich mit Crew-Mitgliedern auf eine Expedition, um das Geheimnis des Marsmondes zu lüften, dass ihn schon so lange umgibt. In einem notdürftig beleuchteten Tunnel trifft sie auf etwas Unerwartetes, das nicht nur ihre Gefühle durcheinander wirbelt, sondern letztlich ihr Leben verändert. Spannung pur bis zum Schluss, der mit einer verblüffenden Wendung daher kommt.

"Schrotts Phantom", Barbara Büchner: Eine wirklich gruselige Geschichte hat die Autorin hier geschaffen. Respekt. Es geht um einen alten Mann, der um seinen Landbesitz betrogen wird. Weil er dies nicht auf sich sitzen lassen kann, sinnt er nach Rache. Ein unheimliches Phantom macht nach seinem Tod die Gegend unsicher, kein Bauarbeiter wagt sich mehr auf dieses Fleckchen Erde, um Baron von Gramms Pläne umzusetzen, dort neu zu bauen. Gramm engagiert Großwildjäger und Söldner Dietrich Graf Mencke, in der Hoffnung, das Phantom endlich loszuwerden. Kann Mencke den Baron von seinem vermeintlichen "Fluch" befreien? Und was ist das Phantom überhaupt? Ist der alte Mann am Ende noch in dieser Welt? Spannung pur.

"Lucie", Vincent Voss: Es ist eine traurige Geschichte - in der Tat. Und eine Geschichte, die so gefühlvoll gezeichnet ist, dass sie fast schon wahr klingt. Cyborg Sebastian Grün ist Bestattungsunternehmer und kämpft für ein Bestattungsrecht für Cyborgs. Bisher war das Recht auf Bestattung nur Menschen vorbehalten, Cyborgs wurden verschrottet oder recycelt. Als der hohe Rat einlenkt und die Bestattungen endlich erlaubt werden, bietet Grün Cyborg-Bestattungen an und wähnt sich an seinem Ziel - für seinesgleichen etwas zu tun. Als Lucie sein Geschäft betritt, verändert sich alles. Sie schließt einen außergewöhnlichen Vertrag mit ihm ab, der alles verändert. Eine wunderbare Geschichte, die ans Herz geht.

"Heimweh eines Cyborgs", Christoph Marzi: In der Geschichte, die der Anthologie ihren Namen gab, dreht sich alles um Schönheit, perfekte Körper, vielleicht auch ewiges Leben. In einem knappen, tagebuchartigen Stil hält der Autor der Welt den Spiegel vor. Eine Frau missbraucht die Technologie für ihr jugendlich schönes Aussehen. Sie tut es für die Männer, die sie um sich haben will. Sie tut es, um die junge Konkurrenz mit ihrem Glanz in den Schatten zu stellen. Erfolg durch Schönheit - eine Wanderung auf einem schmalen Grad, bei der man schnell mal herunter fallen kann. Durch seinen knappen Stil bring der Autor das Wesentliche klar auf den Punkt.

"Zeitlang", Lucas Bahl: Muss die Bibel neu geschrieben werden? Die Frage könnte man sich nach dieser Geschichte stellen. Wer war Jesus wirklich? Oder besser gefragt: Woher stammte er? Der Autor zeichnet eine wunderbare Geschichte über die Kreuzigung und Wiederauferstehung Christus, die verblüfft - ist doch in seiner Welt alles ein wenig anders, obwohl sich alles genauso zugetragen hat, wie in den alten Schriften beschrieben. Doch wer wurde da wirklich ans Kreuz genagelt - dem ging Lucas Bahl auf eine wunderbar einfallsreiche Weise auf den Grund.

Insgesamt ist das Buch eine Sammlung spannender, ideenreicher, kurzweiliger Geschichten, die das Genre Fiction auf unterschiedlichen Wegen betreten. Zwischen den Zeilen findet man zudem menschliche Wertvorstellungen, Ethik und Moral wieder, die den Geschichten das besondere Etwas geben.

Link zu Hrsg. Alisha Bionda

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