Samstag, 2. Februar 2013

Rezension: Gitta Becker "Das Rosenspiel"

Hat irgendwer schon mal seine Frau betrogen? Männer, ihr solltet es besser nicht tun, denn frau durchschaut euch schneller, als euch lieb ist. Männer verraten sich grundsätzlich, Männer wollen die Wahrheit nicht sehen, Männer glauben fest an den Mythos, dass sich schon alles von allein regelt. Solch ein Kerl ist jedenfalls der Mann von Susanne, Romanheldin von Gitta Beckers Erstling „Das Rosenspiel“.


Spannend ist er, der Debütroman von Becker, witzig auch und: er fühlt sich authentisch an, so, als würde man die Geschichte live miterleben. Die Geschichte ist eigentlich recht banal, denn Fremdgehen passiert heutzutage in erschreckend vielen Beziehungen. Die Autorin packt das Thema beim Schopfe und macht daraus eine leicht überspitzte, amüsante Story, die viel vom aufgewühlten Gefühlsleben einer gehörnten Frau wiederspiegelt und die tumb-naive Sorte Mann herrlich aufs Korn nimmt.

Alles nimmt seinen Lauf bei einem harmlosen Golfspiel. Susannes Mann hatte die Idee – warum auch immer Männer auf solche Ideen kommen, aber sie tun es – seine Geliebte als sogenannte „beste Freundin“ seiner Frau vorzustellen. Natürlich nur, um diese ganz legal bei sich zu haben. Klar. Susanne riecht den Braten sofort, kommt aber erst viel später hinter das Geheimnis der beiden, als sie heimlich den Computer ihres Mannes durchsucht und Mails findet, die die Karten ganz klar auf den Tisch legen. Susanne ist verzweifelt und hin und her gerissen. Was tun? Sie beschließt, sich nicht klein kriegen zu lassen und stattdessen mit den beiden Katz und Maus zu spielen. Das Rosenspiel ist eröffnet.

So nach und nach weiht sie wichtige Personen in die Umstände und ihre Pläne ein und kanalisiert all ihre Energie in die Vereitelung der Treffen zwischen ihrem Mann und dessen Geliebten. Die Mittel, die sie sich dafür ausdenkt, könnten aus dem realen Leben gegriffen werden, die Reaktionen des Mannes und deren Angebeteter ebenfalls und gerade das macht den Roman so glaubwürdig, so authentisch, dass es Spaß macht, ihn zu lesen. Es fällt leicht, sich mit den Figuren zu identifizieren, auch wenn man selbst vielleicht noch nie in einer der Rollen gesteckt hat. Aber man kann sich die Farce, die da in Susannes Familie passiert, bildlich vorstellen.

Sehr gelungen fand ich die Ideen, die Geliebte zum Adventskaffee einzuladen, die Susanne mit befreundeten Pärchen jedes Jahr feiert. Ob sie es tatsächlich wagt, sich in der Höhle der Löwin den Blicken und Gedanken von Susanne und deren Freundinnen auszusetzen, nur um ihrem Angehimmelten für ein paar Stunden nah zu sein? Spannung pur ist später das Kapitel „Silvester“. In die Situation und Gefühlswelt, die Susanne da erlebt, kann man sich nur zu gut hinein versetzen und die Autorin schafft es hier hervorragend, einen Spannungsbogen zu bauen, der sich dann so auflöst, wie man sich es vielleicht nicht gewünscht hat, wie es aber zur Romanheldin passt.

Sehr bildhaft zeichnet sie auch Susannes Ehemann und dessen Geliebte. Er, der naiver Weise keinen Gedanken daran verschwendet, dass seine Frau Wind bekommen haben könnte, der keine Entscheidung fällen kann und Liebe am Geldbeutel festmacht – eine fast schon klassische männliche Fremdgeh-Figur. Sie, eine eigentlich taffe Frau, die sich den falschen Liebhaber ausgesucht hat und immer wieder versucht, ihn in ihr Boot zu zerren. Schafft sie es? Dem gegenüber Susanne, die mit allen Mitteln kämpft und Sachen macht, die eigentlich gar nicht ihre Art sind, frei nach dem Motto „im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“.

Und zu so einem gelungenen Werk gehört auch ein guter Schluss. Ich hab nur gesagt: „Ja!!“ Mehr möchte ich gar nicht verraten. Alles in allem hat Gitta Becker mit ihrem ersten Roman einen super Start hingelegt und die Themen Beziehung, Liebe, Lüge, Betrug, Schmerz und Leid wunderbar aufgearbeitet.

Update:
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