Freitag, 1. Februar 2013

Rezension: Banana Yoshimoto "Kitchen"

Tod, Abschied, Einsamkeit – Banana Yoshimotos „Kitchen“ dreht sich genau um diese Themen und ist dennoch kein Roman, der deprimiert oder pausenlos auf die Tränendrüsen drückt. Die Autorin spricht die Herzen ihrer Leser an und vermittelt auf unschuldig leichtfüßige Weise, dass es immer weiter geht im Leben. Schließt sich eine Tür, so öffnet sich eine neue. Verloren sein und Wiederfinden, Unsicherheit und Liebe, Gefühlsachterbahnen, die jeder kennt und mit denen sich jeder identifizieren kann. Und genau diese Identifikation mit den so authentisch wirkenden Geschichten schafft die Autorin mit ihrem unverkennbaren Stil.


Mikage entwickelt eine schon fast absurde Affinität für Küchen. Die Küche ist ihr der liebste Platz überhaupt, dort fühlt sie sich sicher und geborgen, egal, wie groß oder klein, sauber oder schmuddelig dieser Raum auch sein mag. Bevor ihr Leben aus den Fugen geriet, schlief sie sogar auf dem Boden zusammengerollt in der Küche der Wohnung, die sie sich mit ihrer Großmutter teilte. Mikage ist ein Mädchen, dass früh schon fast ihre ganze Familie verlor. Nur ihre Großmutter ist ihr geblieben. Als auch die stirbt, bricht Mikages kleine Welt zusammen. Ihre Familie wurde immer kleiner, bis nur noch sie übrig geblieben war. An was sollte sie jetzt noch glauben, der Boden unter ihren Füßen war weg.

Tod. Die Frage nach dem Warum. Warum hat es sie nicht getroffen? Welche Gedanken quälen einen Menschen, der so jung seine gesamte Familie verliert. Yoshimoto führt uns hier in die verworrene Welt einer jungen Frau, die versucht, die Leere aus ihrem Leben hinaus zu katapultieren. Es geht immer weiter – sie wird von den Tanabes aufgefangen. Yuichi Tanabe kannte Mikages Großmutter. Wenig später zieht das Mädchen bei ihm und seiner Mutter, die gleichzeitig sein Vater ist, ein. Das Leben erhält für sie wieder einen Sinn und sie gewinnt an Stärke. Die braucht sie auch – für ihren Kampf gegen die eigene Unsicherheit und den Sieg der Liebe. Sehr einfühlsam beschreibt Yoshimoto die Unsicherheiten zweier Menschen, die ineinander verliebt sind, aber sich nicht trauen, diese Gefühle zuzulassen und gegenseitig einzugestehen. Jeder, der so etwas schon einmal erlebt hat, fühlt sich hier aus dem Herzen gesprochen.

Loslassen. Damit könnte man die letzte der drei Geschichten im Buch beschreiben. Satsuki verliert bei einem Autounfall ihren Freund. Ein harter Schlag, der das Mädchen vollkommen aus der Bahn wirft. Doch Satsuki erhält die große Chance, das Erlebte endgültig zu verarbeiten und ihren Frieden zu finden. Sie lernt eine geheimnisvolle Frau kennen, die ihr ein erstaunliches Erlebnis verschafft, das Satsuki hilft, los zulassen.

Der Tod ist ein schwieriges Thema. Wer möchte sich schon freiwillig damit auseinander setzen. Banana Yoshimoto wagt sich in ihrem Erstling in diese Gefühlswelt und schafft es durch ihre authentische Sprache, einen Blick in die Seele ihrer Protagonisten zu geben. Doch sie malt nicht nur einen Gefühlsausschnitt von Menschen, die einen schweren Verlust erlitten haben, sondern vermittelt eine Botschaft: „Überwinden und Wachsen, (...) Dinge, die den geistigen Weg eines Menschen prägen, mit all seinen Hoffnungen und Möglichkeiten“.