Samstag, 2. Februar 2013

Rezension: Arto Paasilinna "Die Giftköchin"

Arto Paasilinna ist und bleibt mein Geheimtipp. Nachdem ich schon in „Der Sommer der lachenden Kühe“ von seinem subtilen Humor eingefangen wurde, traf sein Roman „Die Giftköchin“ erneut ins Schwarze. Herzerfrischende Komik, ausgeklügelte Story, der Finne weiß seine Leser zu vergnügen.
Es ist die Geschichte der Offizierswitwe Linnea Ravaska, die eigentlich ein beschauliches Leben in ihrem kleinen Häuschen auf dem Lande führen könnte, wären da nicht ihr gewalttätiger und dreister Neffe Kake Nyyssönen und seine beiden Saufkumpane. Der 30-Jährige Finne hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, allmonatlich die alte Dame zu schröpfen und ihr ihre magere Rente abzunehmen. Er war der Meinung, dass ihm das sehr wohl zustand, denn er war schließlich jung und brauchte das Geld. Und er war der Pflegesohn Linneas und um die Verwandtschaft hatte man sich eben aufopfernd zu kümmern.


Doch die monatlichen Besuche der Männer bei der alten Witwe standen nicht nur im Zeichen der Geldeintreiberei. Die Drei nutzten den Ausflug, um mal aus der Großstadt Helsinki herauszukommen und auf dem Land so richtig zu feiern. Und feiern hieß bei der Bande, eine möglichst große Sauerei zu hinterlassen – in Linneas Sauna, auf ihrem Hof und in ihrem Haus. Wenn es sein musste, schreckten die skrupellosen Kerle vor Schlägereien und Diebstahl nicht zurück, kein Wunder, dass die alte Dame sich vor diesen monatlichen „Zahltagen“ fürchtete. Die letzte Begegnung wurde allen Beteiligten zum Verhängnis und Paasilinna entwickelte daraus eine herrlich chaotisch wirkende, aber gut strukturierte Geschichte. Der Witwe Ravaska war das Treiben der Rüpel zu viel, sie quälten ihre Katze und hatten ein Schwein gestohlen, das sie jetzt auf dem Spieß brieten. Linnea packte das Wichtigste zusammen und stahl sich aus dem Haus, um die Polizei zu alarmieren. Diese erwischten das Pack zwar nicht, doch blieben die Beamten nicht unbemerkt und das Trio schwor Rache an der Alten, denn solch eine Behandlung hatten sie schließlich nicht verdient.

Linnea flüchtet zu einem befreundeten Arzt nach Helsinki und dann beginnt ein verrücktes Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Witwe immer wieder um ihr Leben fürchten muss und es mysteriöse Todesfälle passieren. Immer wieder führt der Autor seine Leser in die Irre und lässt die Situation in eine Sackgasse führen, in der dann wie aus heiterem Himmel doch eine Tür auftaucht. Er spinnt eine sehr komische, absurde Geschichte und zeichnet sowohl ein wunderbar authentisches Bild einer alten Dame, die beherzt und mutig ihren Lebensabend meistert, wie auch drei junge Menschen, die am Rand der Gesellschaft in ihrer kleinen Welt leben und sich überhaupt nicht in das Hier und Jetzt einfügen möchten.

Arto Paasilinna ist ein wahrer Meister. Seine Geschichten sind lustig, abstrus, nie langweilig und von bestechender Logik. Eine geniale Lektüre.

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